Blitzlicht
Susanne Neubauer, 33, Hotelfachfrau, Zürich
Interview und Foto: Bianka Hubert
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Ich freue mich immer, zur Arbeit zu gehen, weil ich jeden Tag neue Leute kennen lerne. Jeder Tag bringt mir Herausforderungen. Heute hatte ich höchstens ein bisschen Angst, wegen des Wetters nicht pünktlich zu kommen. Ich mag Schnee und Eis gar nicht. Da ich viele Jahre als Restaurantleiterin auf dem Kreuzfahrtschiff «Aida» in der Karibik unterwegs war, bin ich das Winterwetter nicht mehr gewohnt.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Gäste, die mir ins Wort fallen. Und solche, die mir mit Vorurteilen begegnen, ohne mich zu kennen. Das «Lady’s First» ist ein Design Hotel, das speziell auf die Bedürfnisse von Frauen eingeht. Bei uns arbeiten nur Mitarbeiterinnen und der Wellnessbereich ist den Frauen vorbehalten. Diese Tatsachen schrecken die Männer oft ab. Zurzeit haben wir vor allem Businessgäste. Diese legen grossen Wert auf schnelle Bedienung. Dadurch ist mein Arbeitsalltag manchmal stressig.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Mir gefällt es, unsere Gäste mit Freundlichkeit von unseren Dienstleistungen überzeugen zu können. Wir haben viele Stammgäste, mit denen ich oft nette Gespräche führe. Die Atmosphäre in unserem Team ist familiär. Im Austausch mit meiner Chefin und den Kolleginnen lerne ich ständig dazu. Vor einigen Tagen hat mich zum Beispiel meine Chefin gelehrt, auch unter besonderen Umständen korrekt und freundlich zu kommunizieren. Ich hätte einer Bewerberin noch am Abend des Probetages abgesagt. Meine Chefin hat sie am Abend verabschiedet und ihr erst ein paar Tage später telefonisch ein Feedback gegeben.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Nein! Ich lebe für meinen Beruf. Ich habe mir diesen Beruf bewusst ausgewählt. Meine Freizeit ist mir aber wichtig. Ich nutze sie effizient, gehe mindestens einmal pro Woche ins Kino und schwimme regelmässig. Ausserdem koche ich gern, gehe mit Freunden essen oder treffe mich mit einer Freundin auf einen Kaffeetratsch.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Wir haben seit der Wirtschaftskrise nicht weniger Arbeit. Wir bekommen weiterhin zahlreiche Anfragen für Offerten und Buchungen, die wir beantworten müssen. Aber das Ergebnis ist anders. Zurzeit haben wir unter der Woche zwar viele Businessgäste, aber an den Wochenenden würden wir uns ein paar Gäste mehr wünschen. Mit unseren Einnahmen sind wir noch zufrieden.