Dienstag, 24.01.2012
Zürich (sda) Als erster der drei Atomkraftwerkbetreiber hat die Axpo eine Strategie aufgezeigt, woher sie nach dem Atomausstieg der Schweiz den Strom nehmen will. Hauptsächlich setzt der Stromkonzern dabei auf Windkraft und Gas.
So sollen 3,9 Terrawattstunden oder rund 6 Prozent des gegenwärtigen Schweizer Stromverbrauchs mit Windkraftwerken im Ausland erzeugt werden. Zum Vergleich: Das Kernkaftwerk Gösgen liefert jährlich etwa 8, jenes in Leibstadt 9 Terrawattstunden Strom.
Etwas mehr als eine 1 Terrawattstunde Strom jährlich will die Axpo zudem aus alternativen Energieträgern wie etwa Photovoltaik, Wind oder Geothermie in der Schweiz produzieren. Wie Konzernchef Heinz Karrer am Montag an einer Medienkonferenz ausführte, habe man das Produktionsziel mit solchen erneuerbaren Energieträgern von bisher 2,2 auf neu 5 Terrawattstunden hinaufgeschraubt.
Weitere 1,2 Terrawatt Leistung will die Axpo inskünftig mit Gas-Kombikraftwerken decken. Gemäss Karrer könnten zwei solcher Kraftwerke auch in der Schweiz gebaut werden. Spruchreif ist dabei allerdings noch gar nichts: Denn ob sich solche Investitionen auch lohnen, hänge von den politischen Rahmenbedingungen ab, sagte Karrer.
Zudem hat die Axpo bereits heute Gas-Kombikraftwerke in Italien, lässt diese aber nicht auf voller Leistung laufen, weil die Strompreise auf dem europäischen Markt im Keller sind.
Neben Wind und Gas setzt die Axpo auch weiterhin auf Wasser: So will der Stromkonzern an Wasserkraftskonzessionen in Frankreich herankommen. Und etwas mehr Leistung soll schliesslich auch noch mit Investitionen in bestehende Wasserkraftwerke erzielt werden.
Alles in allem will die Axpo, die den Nordostschweizer Kantonen gehört, für all diese Investitionen bis 2030 rund 21 Mrd. Fr. aufwerfen. Trotz dieser enormen Investitionen werde die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten zunehmen, sagte Verwaltungsratspräsident Robert Lombardini.
Bereits Kritik an der Axpo-Strategie geäussert haben am Montag die Umweltverbände. Der Konzern sei in alten Denkmustern gefangen, urteilte etwa die Umweltallianz, zu der unter anderem der WWF und Greenpeace gehören. Mit ihrer Grosskraftwerk-Strategie nehme sich die Axpo selber aus dem Rennen für eine Energiewende in der Schweiz. Insbesondere verkenne sie die Chance, welche die Steigerung der Energieeffizienz und der Umstieg auf erneuerbare Energien mit sich brächten, hiess es in einer Mitteilung.
Bevor die Pläne für neue Kraftwerke konkreter werden, gibt sich die Axpo allerdings eine neue Struktur. So wird die Energiehandelstochter EGL, die derzeit von der Börse genommen wird, mit der bisherigen Axpo zusammengelegt und eine Unternehmenseinheit für die Stromproduktion und die Energienetze und eine für den Handel gebildet. Weiterhin als eigenständiges Unternehmen werden die Centralschweizer Kraftwerke (CKW) geführt, an denen die Axpo über drei Viertel der Aktien hält.
Mit der neuen Struktur wird die Axpo schlanker. Insgesamt 100 Mio. Fr. jährlich will der Stromkonzern durch die Reorganisation, welche auch einen Arbeitsplatzabbau beinhaltet, sparen. Gemäss Communiqué sollen bis zu 140 der insgesamt nicht ganz 4400 Stellen abgebaut werden. Genauere Angaben dazu wird die Axpo erst im März machen.
Dass die Luft für die Axpo mittlerweile tatsächlich eng ist, zeigt das Ergebnis des Geschäftsjahres 2010/11 (per Ende September 2011), das ebenfalls am Montag veröffentlicht wurde. Unter dem Strich weist der Stromkonzern noch einen Gewinn von 45 Mio. Fr. aus, nachdem im Vorjahr noch 409 Mio. Fr. übrig blieben.
Begründet wurde der Ergebnisrückgang mit den tieferen Stromhandelspreisen, dem starken Franken und einmaligen Belastungen, etwa solchen, die mit den erwarteten Kosten für die Stilllegung der Atomkraftwerke zusammenhängen.