der arbeitsmarkt | 05/2006 | Text: Bruno Angeli

Chance für den Berufseinstieg

Viele Schulabgänger finden keine Lehr- oder Arbeitsstelle. Motivationssemester können ihnen weiterhelfen. Eines davon, das BIP aus Schlieren, feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen.

Jugendliche, die keine Lehr- oder Arbeitsstelle finden, gilt es zu motivieren und auf die Berufswelt vorzubereiten. Das BIP (Berufs-Integrations-Programm) in Schlieren zum Beispiel nimmt sich ihrer an. Die meisten stammen aus den Bezirken Dietikon, Affoltern und Dielsdorf und haben aus unterschiedlichen Gründen keinen idealen Start in die Berufswelt gefunden.
Jugendliche, die keine Stelle finden, gelten als «absturzgefährdet», wie sich der Geschäftsleiter des BIP, Ricardo Zimmermann, ausdrückt. Die Mehrheit der BIP-Absolventen kommt aus einem nichtschweizerischen Haushalt. Einige sind auf Grund der Sprache noch zu wenig integriert oder verfügen über ein ungenügendes Schulzeugnis. Andere haben keine Stelle gefunden, weil sie mit persönlichen oder familiären Problemen zu kämpfen haben. Dazu gesellt sich bei vielen eine «Schulmüdigkeit», die erst mal überwunden werden muss.
Das BIP gibt den Jugendlichen eine neue Chance und sorgt dafür, dass sie via Praktikumsstellen ins Berufsleben integriert werden können. Dabei werden sie von einem zwölfköpfigen Team, alles qualifizierte Fachleute, die entweder ein Studium in sozialer Arbeit oder Berufsberatung abgeschlossen haben, betreut. In Gesprächen werden Ziele formuliert, Schwierigkeiten angesprochen und aufgearbeitet. Die fachliche Beratung bei der Stellenbewerbung ist ebenfalls gegeben.
Die Schulbank zu drücken, ist für die angehenden Berufsleute unumgänglich. Zuvor unterziehen sich die Schüler einem Einstufungstest. Die ausgewerteten Daten ermöglichen danach eine Einteilung in spezifische Leistungsklassen. Kernfächer sind Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und/oder Geometrie. Weiter wird Informatik, Wirtschaftskunde und Verkaufstraining angeboten. Das BIP richtet sich dabei nach den Bedürfnissen der Wirtschaft. So wurde vor wenigen Monaten Englisch in das Lehrprogramm aufgenommen. Für einmal deckten sich hier die Bedürfnisse der Lernenden und die der Wirtschaft optimal. «Englisch kommt bei den Jugendlichen sehr gut an», weiss Zimmermann.

Mit viel Eigenengagement zum staatlich unterstützten Projekt

Sommer 1995: Zimmermann arbeitet für die Berufsberatung Urdorf. Ihm und seinen Kollegen fällt auf, dass viele Schulabgänger keinen Ausbildungsplatz finden – damals eine neuere Erscheinung. Zimmermann beginnt, nach Lösungen zu suchen. Die Jugendkommission des Bezirks Dietikon nimmt seine 
Bedenken auf und bewilligt Geld für ein einjähriges Projekt. Das Programm beinhaltet vier Tage Arbeit in einem Betrieb und einen Tag Schule und wird mit viel Enthusiasmus vorangetrieben. Dies ist auch nötig, denn es fehlen noch ein paar Dinge wie Räumlichkeiten und Personal. In der ersten Klasse werden 15 Jugendliche untergebracht, die ihren Schultag bei der Berufswahlschule Limmattal absolvieren. Die guten Erfahrungen, die man mit diesem Berufseinstiegsjahr macht, bestätigen Zimmermann, auf dem richtigen Weg zu sein. Doch die Jugendkommission sieht sich nicht mehr als verantwortliche 
Institution. An dieser Stelle schaltet sich der damalige Leiter der Berufswahlschule Limmattal, Gion-Pitschen Gross, ein. Gross, der heute nicht mehr beim BIP mitwirkt, nimmt sich der Sache an und sorgt dafür, dass ab dem Schuljahr 96/97 in seinem Wirkungskreis lehrstellen- und arbeitslose Jugendliche nicht mehr auf der Strasse stehen. 
Zimmermann und seine Kollegen berieten zu Beginn ihrer Tätigkeit ihre Schützlinge auch mal «draussen auf der Strasse». Heute stehen in einem modernen Gebäude an der Grabenstrasse 1 eine professionelle Infrastruktur für den Schulunterricht mehrerer Klassen, Sitzungszimmer und Beratungsräumlichkeiten zur Verfügung. Trägerschaft des BIP ist nun der Verein proBIP (Programme für Bildung, Integration und Pädagogik), der vom Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) mitfinanziert wird. 
Mit den zwischen sechs und zwölf Monate dauernden Motivationssemestern wurden schöne Erfolge erzielt. Im Sommer 2005 konnten von 93 teilnehmenden Jugendlichen 80 eine Lehre, Arbeitsstelle oder Schule antreten.

 
 
 

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