HR Today | 12/2006 | Text: Jasmin Lioliou

Freizeitsicherheit ist eine Führungsaufgabe

Seit einigen Jahren steigt die Anzahl der Freizeitunfälle markant. Inzwischen haben Führungsverantwortliche erkannt, dass sie viel für eine sichere Freizeit ihrer Mitarbeitenden tun können. Beratung und Unterstützung helfen ihnen bei der Durchführung von Freizeitsicherheitsaktionen.

Die Nichtberufsunfälle (NBU) sind in den letzten Jahren stark gestiegen und für die Unternehmen merklich teurer geworden. Die Suva musste vor zwei Jahren die Prämien in der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV) erhöhen. Zwar übernehmen in vielen Unternehmen die Mitarbeitenden die Prämie für die NBUV, aber diese decken nur die direkten Kosten eines
Unfalls wie Heilkosten, Taggelder oder Renten. Ein Unfall verursacht jedoch einen weitaus grösseren Anteil von indirekten Kosten, und diese gehen zu Lasten des Unternehmens: Es ist ein
erheblicher organisatorischer Aufwand notwendig, um Ausfallzeiten zu kompensieren, wenn
etwa eine Ersatzkraft gesucht, eingearbeitet und entlöhnt werden muss. Ein Ausfall eines Mitarbeitenden kann sich zudem negativ auf die Produktivität und Qualität der Produkte auswirken.

Eine zunehmende Anzahl von Unternehmen hat deshalb den dringenden Handlungsbedarf in der Verbesserung der Freizeitsicherheit erkannt. Ein neues Bonus-Malus-System (BMS) der Suva gibt den Unternehmen einen zusätzlichen Anreiz, mehr in die Prävention von Freizeitunfällen zu investieren. Massgebend für die Anwendung des BMS, das ab Januar 2007 eingeführt wird, ist neu eine Basisprämie ab 60000 Franken pro Jahr anstatt wie bisher ab 80 Vollbeschäftigten. Damit können mehr Unternehmen davon profitieren.

Um nachhaltig die Kosten in der NBUV zu senken, braucht es eine Verhaltensveränderung der Mitarbeitenden in ihrer Freizeit. Das ist ein heikles Thema, weil die Freizeit in die Privatsphäre der Mitarbeitenden gehört: «Was ich in der Freizeit mache, ist meine Sache», lautet eine häufig geäusserte Meinung. Zwar ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, die Vorschriften betreffend die Arbeitssicherheit bei seinen Mitarbeitenden durchzusetzen, es besteht jedoch keine gesetzliche Weisung, wenn es um die Freizeitsicherheit geht. Trotzdem kann ein Unternehmen viel für eine sichere Freizeit seiner Mitarbeitenden tun. So sollten Führungskräfte die Mitarbeitenden für die Freizeitsicherheit sensibilisieren. Bevor jedoch die Mitarbeitenden ihr Verhalten in der Freizeit ändern können, müssen sie sich der Gefährdungen erst bewusst werden. An Mitarbeiteranlässen kann beispielsweise gezielt auf Sportarten hingewiesen werden, bei denen die Mitarbeitenden häufig verunfallen. Infowände mit Tipps für eine sichere Freizeit können eingerichtet werden.
Unternehmen, die sich für die Sicherheit am Arbeitsplatz und in der Freizeit engagieren, haben risikobewusstere Mitarbeitende. Eine solche Sicherheitskultur wird in erster Linie durch die Geschäftsleitung und das Kader geprägt. Mit ihrem eigenen sicherheitsbewussten Verhalten nehmen sie eine Vorbildfunktion wahr.

Firmeninhaber und Führungsverantwortliche fragen sich manchmal, wie Freizeitsicherheitsmassnahmen zu einem messbaren Erfolg führen können. Die Praxis zeigt, dass der Schlüssel zum Erfolg bei der Nachhaltigkeit liegt. Es entsteht keine nachhaltige Sicherheitskultur, wenn nur einzelne Freizeitaktionen stattfinden. Wirklich sensibilisiert werden die Mitarbeitenden nur, wenn Aktionen regelmässig durchgeführt werden und wenn Sicherheit ein Dauerthema in der Firma ist.
Eine nachhaltige Sensibilisierung der Mitarbeitenden auf diese Thematik führt längerfristig zu einem geringeren Unfallrisiko und unterstützt die Produktivität eines Unternehmens. So verfügen einige Unternehmen über ein umfassendes Sicherheitskonzept, das in zeitlich regelmässigen Abständen Präventionsaktivitäten vorsieht. Firmeninterne Fussballturniere etwa sind bei den Mitarbeitenden sehr beliebt. Bei diesen Turnieren kann verlangt werden, dass Schienbeinschoner und Stollenschuhe getragen werden. Zudem sollte ein gut ausgebildeter Schiedsrichter engagiert werden, um für sichere und faire Spiele zu sorgen. Um möglichst viele Mitarbeitende mit unterschiedlichen Interessen anzusprechen, sollten verschiedene Freizeitbereiche abgedeckt werden, etwa Fussballspielen, Velofahren, Skifahren, Joggen und Walking oder sogar Garten- oder Hausarbeit.

SuvaLiv (Angebotsmarke der Suva für Freizeitsicherheit) hilft den Unternehmen bei der Verhütung von Freizeitunfällen mit individueller Beratung, Kursen und Workshops sowie Informationsmitteln. Zudem unterstützt sie Suva-versicherte Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden bei der Erstellung eines betriebsspezifischen Konzepts. Sie hilft den Unternehmen bei der Durchführung von Freizeitsicherheitsaktionen vor Ort und berät die Sicherheitsverantwortlichen bei der Erfolgskontrolle. Kleineren Betrieben empfiehlt SuvaLiv, sich mit anderen Betrieben zusammenzuschliessen und gemeinsame Präventionsaktivitäten durchzuführen. Ihnen steht zudem ein Selbsttest «Sicherheit in der Freizeit für kleine und mittlere Betriebe» auf www.suva.ch/liv (Stichwort: Beratung Freizeitsicherheit) zur Verfügung. Mit der Beantwortung von 20 Fragen erhält der Nutzer eine Auswertung der
eigenen Sicherheitskultur und Verbesserungsvorschläge. Der Unfallversicherer führt zudem regelmässig Präventionskampagnen durch, um die breite Öffentlichkeit zu sicherem Verhalten zu motivieren. Diese Kampagnen fokussieren sich auf den Breitensport wie Ski- und Snowboardfahren, Velofahren und Fussball oder andere Ballsportarten. Interessanterweise ereignen sich die meisten Freizeitunfälle bei diesen Sportarten und nicht etwa bei spektakulären Risikosportarten wie Bungeejumping oder Fallschirmspringen. Zudem ist der Anteil an Unfällen, die bei alltäglichen Tätigkeiten im Haus und Garten passieren, mit 25 Prozent beträchtlich hoch.     

 
 
 

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