HR Today | 1,2/2006 | Text: Connie Voigt

Liebe Leserin, lieber Leser

Die ersten Kinder der Nachkriegsgeneration werden in diesem Jahr 60. Und bereits in fünf Jahren werden in den meisten europäischen Unternehmen die über Fünfzigjährigen die grösste Gruppe stellen. Deshalb muss sich die Geschäftsleitung in jedem Betrieb – ob KMU oder Konzern – gemeinsam mit dem HRM mit den Auswirkungen des steigenden Durchschnittsalters ihrer Mitarbeitenden auseinander setzen. Ältere Mitarbeitende werden länger im Betrieb bleiben, weil die zuvor praktizierten Frühpensionierungsmodelle nicht mehr wie im bisherigen Ausmass greifen. Zudem wird das Renteneintrittsalter der Babyboomer-Generation aufgrund politischer Entscheide steigen. Gleichzeitig wird die Deckung des Arbeitskräftebedarfs mit jüngeren Arbeitskräften deutlich schwieriger, da immer weniger qualifizierte Fach- und Führungskräfte zur Verfügung stehen.

Das HRM ist also unter Druck, in unmittelbarer Zukunft Modelle in seinen Unternehmen einzuführen, die das Wissensmanagement fördern und sicherstellen, und die Altersgrenzen für bestimmte Jobs aufweichen. Die Wettbewerbsfähigkeit jedes Unternehmens steht mit dem internen Know-how seiner reiferen Semester auf dem Spiel. Trotzdem spukt im Kopf vieler Rekru-tierer und Personalentwickler immer noch der nach Jahrgängen orientierte Jugendwahn: Interne wie externe Kandidaten werden primär nach ihren Altersangaben gewertet und nicht etwa nach ihrem Können oder ihrem Erfahrungsschatz.

Paradoxerweise wird dabei die Verjüngung der heutigen älteren Generation gar nicht berücksichtigt. Die Kernfrage ist: Sind die Menschen mit 50 heute eigentlich physisch und psychisch so alt wie die Fünfzigjährigen vor einigen Generationen? Die Medizin, globalisiertes Wissen dank Internet sowie der Fitnesswahn unserer Gesellschaft heben das Alterungsniveau massiv an und verändern das Image des Alters. Die Werbebranche hat diesen Trend schon lange aufgenommen. Kurioserweise haben aber viele Unternehmen bisher noch nicht die Konsequenzen in der Personalführung, im Talent Management oder in der Rekrutierung gezogen. Wann werden endlich Altersangaben in Stellenanzeigen verschwinden? Sie sind out!

 
 
 

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