HR Today | 1,2/2005 | Text: Hans Bernhard
Stress am Arbeitsplatz macht nicht nur krank, sondern kostet die Schweizer Wirtschaft Milliarden von Franken. Eine neue Internetsite gibt Führungsverantwortlichen und Mitarbeitenden Informationen und praktische Hilfen zu Stresserkennung, Stressprävention und Stressabbau am Arbeitsplatz.
Die psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz nehmen zu. Eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) aus dem Jahr 2000 beziffert die jährlichen Kosten, die der Schweizer Wirtschaft durch krank machenden Stress am Arbeitsplatz entstehen, auf 4,2 Milliarden Franken. Die «Schweizerische Gesundheitsbefragung 2002» ergibt, dass gegen die Hälfte der Erwerbstätigen sich am Arbeitsplatz durch starken psychischen Druck in ihrer Arbeit beeinträchtigt fühlen. Studien nationaler Gesundheitsorganisationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass stressbedingte psychische Erkrankungen bei Frauen die dritthäufigste und unter Männern die viert-häufigste Ursache für lang andauernde krankheitsbedingte Fehlzeiten sind. Die durch Stress am Arbeitsplatz verursachten negativen Folgen gehen zulasten des Individuums, der Betriebe und der ganzen Gesellschaft. Wer auf die Dauer wettbewerbsfähig bleiben will, sollte sich mit dem Thema Prävention und Abbau von Stress am Arbeitsplatz auseinander setzen.
Die deutsch- und französischsprachige Website www.stressnostress.ch gibt seit dem 1. Januar 2005 Führungsverantwortlichen und Mitarbeitenden Informationen und praktische Hilfen zu Stresserkennung, Stressprävention und Stressabbau am Arbeitsplatz. Die Site macht darauf aufmerksam, dass Stress am Arbeitsplatz keine reine Privatangelegenheit, sondern auch Führungssache ist. Die Bedeutung von Stress am Arbeitsplatz mit den damit verbundenen menschlichen und materiellen Kosten sollen erkannt werden. Die Site will dazu anregen, erste Massnahmen zur Stressprävention und zum Stressabbau zu planen und zu realisieren. Sie will bewusst machen, dass psychosoziale Gesundheit ein wesentlicher Garant für längerfristigen Unternehmenserfolg ist, auch wenn Stress im Einzelfall nicht zu vermeiden ist.
Die Website entstand aufgrund einer Umfrage des seco in Zusammenarbeit von seco, Suva, der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin (SGARM), der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), drei Unternehmensberatern sowie Experten der ETH Zürich und der Universität Bern. Der aus diesem Personenkreis gegründete gemeinnützige Trägerverein stressnostress.ch will mit dem Programm zur ersten Kontaktadresse bezüglich Stress am Arbeitsplatz in der Schweiz werden.
Das Motto der Website: Erfolg braucht keinen Dauerstress! Betriebe, die Leistungsbereitschaft mit Gesundheitszielen verbinden, haushalten längerfristig am besten, denn Erfolg und Dauerstress vertragen sich nicht.
Anwenderinnen und Anwender finden sich auf der Site einfach zurecht. Über eine von jeder Seite aus abrufbare Inhaltsübersicht sind die einzelnen Themenkreise jederzeit frei wählbar. Informationen zum Thema Stress erläutern den Ursprung von Stress und klären den Unterschied zwischen gesunder Herausforderung (die leider in der Umgangssprache häufig mit dem Begriff «Eustress = guter Stress» belegt wird) und echtem krank machendem Stress. Checklisten ermöglichen eine Beurteilung akuter Stresssignale und geben Hinweise auf die aktuelle Stressbetroffenheit des Individuums oder der Organisationseinheit. Listen mit Stress-ursachen und Kurzbeschreibungen möglicher Massnahmen gegen Stress schaffen eine Diskussions- und Entscheidungsbasis für den Abbau von stressverursachenden Faktoren. Einerseits werden für die Führungsverantwortlichen arbeitsbezogene verhältnisorientierte Massnahmen zu Stressprävention und Stressabbau in Bereichen wie Arbeitsgestaltung, Organisation, Führung und Zusammenarbeit skizziert. Andererseits enthält das Programm im Sinne von Selbstführung auch individuelle verhaltensorientierte Massnahmen zur Optimierung des persönlichen Umgangs mit Stress in Themenbereichen wie Problemlösung oder Entspannung. Zusätzlich gibt das Programm weiterführende Literaturhinweise und Internetadressen sowie Antworten auf häufige Fragen und Bedenken im Zusammenhang mit dem Umgang mit Stress am Arbeitsplatz.
Der Trägerverein stressnostress.ch sorgt dafür, dass sich das Programm ständig weiterentwickelt. Wissenschaftliche Begleitung sichert den Einbezug neuer Erkenntnisse aus der Stressforschung. Die Site lädt Anwenderinnen und Anwender zu Feedbacks ein. Ihre Erfahrungen aus der Stresspraxis führen zu regelmässigen Updates des Programms, mit denen der stets aktuelle Beitrag zur Zielsetzung «gesunde Menschen in gesunden Organisationen» gesichert werden soll.