HR Today | 1,2/2008 | Text: Katrin Piazza

«Multikulti» – selbstverständlich für die Jugend, doch nicht immer im Betrieb

Während junge Fachkräfte die Arbeit in kulturell gemischten Teams bevorzugen, sind die älteren Kollegen oft distanzierter gegenüber Menschen anderer Herkunft. Firmen, die sowohl auf erfahrene Fachkräfte wie auch auf jungen Nachwuchs angewiesen sind, sollten dies beachten und Multikulturalität fördern, wie das Beispiel der Endress + Hauser-Gruppe zeigt.

Wie arbeiten junge und ältere Facharbeiter und Facharbeiterinnen in sowohl altersmässig als auch kulturell gemischten Teams zusammen? Welche Massnahmen erleichtern ihnen die Zusammenarbeit? Diesen Fragen widmete sich das Projekt «Interethnische Beziehungen zwischen jungen und älteren Facharbeiterinnen und Facharbeitern in Grossbetrieben». Dazu wurden in Deutschland Mitarbeitende von drei industriellen Grossbetrieben befragt, die sich sowohl in Bezug auf ihre Altersstruktur als auch auf ihre ethnische Zusammensetzung durch Vielfalt auszeichnen. Das Projekt, welches vom Xenos-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie von der Gewerkschaft IG Metall unterstützt wurde, lief Ende 2007 aus. Erste Projektergebnisse wurden bereits publiziert.

Für die meisten befragten Jugendlichen gehören regelmässige Kontakte oder auch Freundschaften mit Gleichaltrigen anderer Herkunftsländer heute zum ganz normalen Alltag. Schliesslich kennen sie nichts anderes aus Kindergarten, Tagesstätte und Schule. Während ihrer diversen Betriebseinsätze machten einige von ihnen allerdings die Erfahrung, dass ihre älteren Kolleginnen und Kollegen eine andere, teilweise distanziertere Einstellung zur interkulturellen Zusammenarbeit entwickelt haben als sie selbst.

Für Unternehmen, die aufgrund der demografischen Entwicklung in Westeuropa nicht nur auf ihre beruflich erfahrenen älteren Arbeitskräfte angewiesen sind, sondern auch selbst qualifizierten jungen Nachwuchs nachziehen müssen, ist dies eine spannende Erkenntnis. Schliesslich soll die Zusammenarbeit im Betrieb ja reibungslos verlaufen – über kulturelle und Generationengrenzen hinweg. Weil der ungezwungene Umgang mit Diversity aber offenbar nicht jedem gegeben ist, muss hier und dort ein wenig nachgeholfen werden. Eine entsprechende Aus- oder Weiterbildung wird von den Jugendlichen geschätzt – dies zeigte das Projekt ganz klar. Wie eine solche Massnahme aussehen könnte, wird in einem Handbuch gezeigt, das von den Projektverantwortlichen herausgegeben wurde. Zwar richtet sich dieses speziell an Ausbildner und beschränkt sich auf die Projektarbeit mit Jugendlichen, es spricht aber kaum etwas dagegen, auch ältere Mitarbeitende in Workshops oder Austauschprojekte einzubeziehen oder ihnen zumindest die Resultate der Arbeiten zugänglich zu machen. Kenntnisse über die kulturellen Gepflogenheiten, Vorlieben und Eigenheiten der jeweils anderen Gruppe sind letztlich die beste Voraussetzung für eine entspannte Zusammenarbeit. Respekt, Wertschätzung und Toleranz sind schliesslich weder eine Alters- noch eine Herkunftsfrage.


Quellen:
http://www.vielfalt-als-chance.de/data/downloads/webseiten/6_DJI_Interkulturalitaet_von_Auszubildenden_im_Betrieb.pdf
www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=593

 
 
 

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