HR Today | Special Recruiting 2008 | Text: KP
Alle werben um qualifizierte, intelligente Werktätige. Die Sprache, die dabei verwendet wird, könnte verstaubter und unverbindlicher nicht sein. Wo sind die knackigen, sympathischen Texte, die intelligenten Lesern wirklich gerecht werden?
Die Lektüre von Stellenanzeigen führt zur Traumstelle? Vielleicht. Erst einmal aber zu gähnender Langeweile. Alle Firmen suchen dasselbe: initiative, engagierte und selbständige Highpotentials, gewandt in allen Fremdsprachen, lösungsorientiert, teamfähig, belastbar. Alle Firmen versprechen dasselbe: moderne Arbeitsplätze, nette Teams, fortschrittliche Arbeitsbedingungen. Eine Formulierung wie «stimulierendes Umfeld in einer speziellen Branche» erscheint da geradezu mutig, doch: Liest das überhaupt jemand? Vor allem: Fühlen sich die – so sehr gesuchten – qualifizierten Fachkräfte davon angesprochen? «Die wenigen, die überhaupt noch da sind, sind anspruchsvoll», weiss Hans-Peter Förster, Autor des «F.A.Z.»-Bestsellers «Texten wie ein Profi» und Lehrstuhlinhaber für Corporate Wording an der ZfU International Business School. «Sie wissen, dass sie umworben sind, und wollen eine echte Herausforderung erleben.» Aus welchem Grund sollten sie sich also um Einheitsstellen bewerben?
Woran liegt es, dass Stelleninserate so wenig ausdrucksstark sind? Werden denn tatsächlich nur Mitarbeitende mit Allerweltsqualitäten gesucht oder fehlt es den Unternehmen einfach am sprachlichen Ausdrucksvermögen, um präziser zu formulieren, wer sie sind und was sie wirklich brauchen? «Sowohl als auch», urteilt Förster, «doch der letzte Punkt überwiegt.» Zwar sei nicht jedem ein Sprachtalent in die Wiege gelegt, räumt der Experte für Unternehmenssprache ein. «Vollkommen unverständlich» ist ihm jedoch, weshalb selbst in Grossunternehmen nicht öfter die Experten aus der Unternehmenskommunikation um Rat gefragt werden. «Es gibt kaum je Zusammenarbeit zwischen den Bereichen HR und Kommunikation», beobachtet Förster. Dabei wäre es nahe liegend, bei den Sprachprofis rasch nachzufragen, ob sich die Firma im geplanten Stelleninserat ebenso sympathisch präsentiert wie in den übrigen Kommunikationsmitteln. Oder die schlichte Frage zu stellen: «Drücken wir mit diesem Inserat eigentlich aus, was wir sagen wollen?»