der arbeitsmarkt | 11/2008 | Text: Philipp Gafner

Neue Arbeitsplätze dank ­Massnahmen gegen Klimawandel

Die Sorge um das Klima löst neue Investitionen aus. Welche Auswirkungen diese auf
den ­Arbeitsmarkt haben, ist gesamtwirtschaftlich noch kaum untersucht. Eine Studie
des Bundesamts für Energie beleuchtet diesen Aspekt im Energiebereich.

Das «2. Nationale Klima-Forum» zur Frage nach den richtigen Prioritäten im Umgang mit dem Klimawandel brachte in Thun eine von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Umweltaktivisten kontrovers geführte Diskussion hervor, geprägt von Emotionen, ­Einzelinteressen und Extrempositionen.
Trotz Kontroverse ist der globale Klimawandel ein Faktum, das heute kaum mehr angezweifelt wird. Die Industrienationen begegnen den Sorgen um den Klimawandel mit Investitionen in erneuerbare Energien, in Ressourceneffizienz und in neue Technologien (Elektromobile, Biotreibstoffe, drahtlose Stromversorgung und so weiter) zur Eindämmung der Erderwärmung und von deren Folgen.

Investiert wird vor allem in ­erneuerbare Energien

«der arbeitsmarkt» hat das Klima-Forum besucht und sich beim Bundesamt für Umwelt (BAFU), beim Bundesamt für Energie (BFE) und beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) nach den Auswirkungen des Klima­schutzes auf den Arbeitsmarkt erkundigt. Noch scheint dieser Aspekt in der Klima­diskussion wenig Aufmerksamkeit zu finden. Für die Schweiz kennen die befragten Fachleute keine branchenübergreifende ­Studie zum Thema. Immerhin hat das Bundesamt für Energie im Oktober die «Wirkungsanalyse EnergieSchweiz 2007» online veröffentlicht. Diese analysiert die Wirkun­gen der freiwilligen Massnahmen und der Förderaktivitäten von EnergieSchweiz (vom Bund lanciertes Programm für Energie­effizienz und erneuerbare Energien) auf ­Energie, Emissionen und Beschäftigung.
Die rund 74 Millionen Franken, die Bund und Kantone im Berichtsjahr für direkte und indirekte Fördermassnahmen einsetz­ten, lösten zusammen mit den Marktpartnern und den jeweiligen Zielgruppen etwa 1065 Millionen Franken an Investitionen und sonstigen Ausgaben für Betrieb und ­Unterhalt in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien aus. Mehr als die Hälfte machen erneuerbare Energien mit 645 Millionen Franken aus, während dem Marktbereich öffentliche Hand und Gebäude ungefähr 350 Millionen Franken und dem Marktsektor Wirtschaft rund 100 Millionen Franken zugute kamen.

Die Baubranche profitiert am meisten von Klimainvestitionen

Für 2007 ergibt sich insgesamt eine Netto-Beschäftigungswirkung von rund 5100 Personenjahren. Ein Personenjahr ist die Arbeitszeit, die eine Person durchschnittlich während eines Jahres leistet. Eingerechnet sind sekundäre Beschäftigungswirkungen aus Konsumausgaben und Investitionen,
die durch zusätzliche Einkommen aus den im Zusammenhang mit EnergieSchweiz ­geschaffenen Arbeitsplätzen ermöglicht wurden.
Mit schätzungsweise 60 Prozent des erzeug­ten Beschäftigungsvolumens ist die Baubran­che die grösste Nutzniesserin des Förderprogramms. Positive Auswirkungen zeigen sich auch in den Wirtschaftszweigen Maschinen und Fahrzeuge, in der Beratung, Planung, Informatik und Schulung sowie in der Elektrotechnik, Elektronik und Optik. Die Auswirkungen auf die herkömmlichen Energiebranchen Elektrizität und Gas sowie Brenn- und Treibstoffe sind leicht negativ. Die Autoren der Studie betonen allerdings, «dass nur ein Bruchteil der ausgelösten Inves­titionen volkswirtschaftlich gesehen zusätzlich ist». Sie gehen aber davon aus, dass nebst Mehreinnahmen bei Einkommens- und Mehrwertsteuer sich ein Teil der zusätzlichen Beschäftigung in einer Reduktion der Arbeitslosigkeit niederschlagen wird.

 
 
 

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