der arbeitsmarkt | 11/2008 | Text: Philipp Gafner

Kleine Schritte in die grosse Freiheit

Dario Orlando arbeitete acht Jahre in Kommunikationsagenturen, ehe er seine eigenen Kunden nach eigenen Vorstellungen bedienen wollte. Seine Selbständigkeit ­bereitete der Grafikdesigner sorgfältig vor – und wagte Anfang Jahr den Start.

Dario Orlando ist 35 Jahre alt, hat im Januar in Reinach BL seine selbständige Berufstätigkeit aufgenommen und fühlt sich sichtlich wohl. Mit der Auslastung ging es in den ersten Monaten nur schleppend voran – trotz Inseraten und PR-Artikeln in der regionalen und ­lokalen Presse sowie einem Vorstellungsschreiben an mögliche Kunden und einem breit gestreuten Postkartenversand in der ­Region. «Keiner hat auf dich gewartet», weiss der Italiener, der im Nachbardorf aufgewachsen ist, «und Kaltakquisitionen sind sehr schwierig.» Dank Mundpropaganda erster zufriedener Kunden – Private, Neuunternehmer sowie Projekt- und Marketingleiter von KMU, aber auch wenige Grossunternehmen – sei die Auftragslage inzwischen erfreulich. Ihm bleibt keine Zeit mehr, um als Freelancer auf Abruf wochen- oder tageweise bei einem seiner früheren Arbeitgeber zu arbeiten. Über dieses ­Hintertürchen war er in den ersten Monaten froh.

Der Preis der Freiheit

Doch nun schätze er die neue Freiheit, Lösungen nach seinem Gutdünken zu entwickeln, ohne dass ihm ein Chef am Zeug flicke. Nun habe er endlich direkten Kontakt zum Kunden und könne dessen Anliegen erspüren – übrigens schätzten auch Kunden diesen unkomplizierten Austausch. Dank weniger Missverständnissen und Leerläufen wird die Arbeit des Gestalters auch bedeutend günstiger. Und vor allem: Als sein eigener Chef präsentiert er selbst seine Arbeiten dem Kunden. Kein Pro ohne Contra: Gerade durch den Direktkontakt und die grössere eigene Verantwortung laste ein Arbeits- und Erwartungsdruck auf ihm, sagt Orlando. Und an eine geregelte Arbeitszeit und ein gesichertes Einkommen sei oft nicht zu denken. Ausserdem fehlten der Erfahrungsaustausch im Team und die Kommunikation mit Kollegen.

Reif für die grosse Herausforderung

Wie kommt man überhaupt dazu, sich als «Einzelmaske» selb­ständig zu machen? «Die Idee reifte seit drei oder vier Jahren. Ich war im Grossen und Ganzen als Angestellter zufrieden» – wenn nicht der Wunsch nach direktem Kundenkontakt gewesen wäre. «In meinem Alter und in der Phase meines Werdegangs war ­einfach der richtige Moment gekommen, um die Erfahrung der Selbständigkeit zu machen. Ich spürte das und bin noch immer davon überzeugt», fasst der visuelle Gestalter seine Motivation zusammen.
Nach einer Typografenlehre bei einer Druckerei und drei Jahren in der Druckvorstufe hatte er ein zweijähriges Studium zum Typografischen Gestalter an der Schule für Gestaltung in Basel absolviert. Danach nutzte er zahlreiche Gelegenheiten bei verschiedenen Firmen, um seine kreative Kompetenz zu beweisen.
Sein Schritt ist typisch für die grafische Branche. Es gibt kaum über 50-jährige Gestalter im Angestelltenverhältnis. Manche verpassen es, den Job zu wechseln, bevor sie entlassen werden oder ausgebrannt sind.

Schritt für Schritt vorwärts

Noch entwirft der Alleinunternehmer Erscheinungsbilder, Briefschaften, Drucksachen und Werbemittel, Internetauftritte und Multimediaprojekte für Unternehmen, Institutionen und Vereine von seinem Arbeitstisch in der Wohnung aus. Mittelfristig denkt er daran, sich im nahegelegenen «Business Parc» einzumieten. Von dort aus wird jetzt schon sein Geschäftstelefon bedient, wenn er unterwegs ist. Dort hat er sich auch während der Planung und Vorbereitung der Firmengründung beraten und begleiten lassen. Dieses professionelle Coaching habe ihm die Sicherheit gegeben, mit seiner Geschäftsidee, seinen Zielsetzungen und seinem Businessplan auf dem richtigen Weg zu sein.
Im Augenblick gehe es darum, sein Netzwerk auszubauen und seine Auftragslage zu stabilisieren. «Ein gutes Netzwerk mit Geschäftspartnern und potenziellen Kunden auf- und auszubauen, ist im Augenblick das Entscheidende.»

 
 
 

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