der arbeitsmarkt | 11/2008 | Text: Carl J. Wiget und J. Claude Rohner
Erfahrene Berater müssen nicht teuer sein. 300 Mitglieder des Netzwerks Adlatus unterstützen Firmen und Firmengründer bei vielfältigen Herausforderungen – darunter einer der wichtigsten: Woher kommt das Geld?
Rolf Schneider und Theodor Haldemann gehören dem Zürcher Teil von Adlatus an, dem schweizerischen Netzwerk erfahrener Führungskräfte und Fachspezialisten. Das lateinische Adlatus bedeutet Helfer, Gehilfe. Die pensionierten Fachkräfte stellen ihr Wissen und ihre Erfahrung zu bescheidenen Tarifen auch Firmengründern zu Verfügung.
Die Adlaten sagen dem Mandanten ehrlich, was Sache ist. Viele haben unrealistische Vorstellungen. «80 Prozent derer, die zu uns kommen, kommen zu spät. Sie haben ihr Geld schon aufgebraucht und Kunden haben sie auch keine», sagt Rolf Schneider, Leiter der Zürcher Adlatus-Fachstelle. Schneider hat mit seinem Ingenieurbüro viel Troubleshooting in aller Welt geleistet. Bei einem Besuch auf der «arbeitsmarkt»-Redaktion begleitete ihn Theodor Haldemann, der Adlatus-Spezialist fürs Finanzielle. Der in zahlreichen Funktionen bei Warenhäusern erprobte Ex-Manager stützt sich bei seinen Beratungen gern auf das «Beobachter»-Buch «Ich mache mich selbständig». Theodor Haldemann beantwortete eine Reihe von Fragen, die sich angehende Firmengründer häufig stellen oder zumindest stellen sollten:
Welche Schritte sind bei einer Firmengründung die wichtigsten?
Etwas vom Dringendsten ist, dass für drei Jahre ein Grob-budget erstellt wird. Auch ein Businessplan ist sinnvoll. Neben den Finanzen sind Kenntnisse der Branche unerlässlich – und man sollte auch eine Ahnung von der möglichen Konkurrenz haben. Weiter betone ich auch immer die Bedeutung eines Terminplans.
Was tun, wenn es am Geld fehlt?
Falls wenig oder kein Geld vorhanden ist, sollte man zunächst Geldgeber aus der Familie und dem Freundeskreis in Betracht ziehen. Allerdings braucht es Verträge, und man sollte darin festhalten, wofür die Gelder verwendet werden. Solche Gründungen können gut abgewickelt werden, da der Gründer durch den Geldgeber einen gewissen Druck verspürt und arbeitsam sein wird. Ich habe mehrere solche Fälle mit Erfolg begleiten können. Je nach Tätigkeit kann die Finanzspritze in höchstens fünf Jahren zurückbezahlt werden. Das muss ein wichtiges Ziel des Gründers sein, damit sich nicht plötzlich Finanzengpässe ergeben.
Kann es auch Geld von der Bank sein?
Um Geld von der Bank zu erhalten, muss der Gründer selber, ein Familienmitglied oder ein Bekannter eine Sicherheit stellen können. Allerdings muss man sich bewusst sein: Die Bankstrategie kann sich plötzlich ändern. Und dies kann sich dann kurzfristig zu einem Engpass schlimmer Art entwickeln, im Worst Case geht es in die Pleite. Bei drei Gründungen mit Bankfinanzierung, die ich betreut habe, wurden nach 6 bis 18 Monaten leider zwei der Firmen liquidiert. Ich bin der Ansicht, dass man sich ohne eigene Mittel oder Familienunterstützung nicht um eine Finanzspritze durch die Bank bemühen sollte.
Welche Finanzierung ist bei einer GmbH sinnvoll?
Meist liegt hier das Grundkapital bei 20 000 Franken, wobei dieser Betrag oft aufgeteilt wird, zum Beispiel zahlt der Mann 19 000 Franken ein und seine Frau 1000. Bei meinen Beratungen habe ich mit solchen Aufteilungen des Stammanteils gute Erfahrungen gemacht. Hier muss ein genauer Basisvertrag vorliegen. Ich rate, die Zukunftsaussichten einer Firma realistisch zu betrachten – auch das mögliche Konfliktpotenzial. Falls mehrere Personen beteiligt sind, entstehen oft nach kurzer oder längerer Zeit Meinungsverschiedenheiten übelster Art.
Wann ist es sinnvoll, eine AG zu gründen?
Bei vielen Firmengründungen ist eine Einzelfirma das Beste. Erst bei einer gewissen Grösse oder bei Kapitalbedarf von dritter Seite ist eine Aktiengesellschaft angebracht. Die AG-Gründung kann sich als ein Weg zur Kapitalbeschaffung anbieten, wenn man Bekannte hat, die Geld anlegen wollen. Man billigt ihnen so eine gewisse Mitsprache zu. Von den drei Aktiengesellschaften, die ich seit ihrer Gründung genau kenne, gibt es alle noch. Eine AG wurde von einer Bank betreut, wobei die in Aussicht genommene Finanzspritze von einigen hunderttausend Franken nie gebraucht wurde. Sie hat sich in kürzester Zeit blendend entwickelt.
Geben Sie auch Tipps, wie ein Betrieb zu genügend Einnahmen kommen kann?
Ja, zum Beispiel sollte das Marketing nicht vergessen werden. Vielfach kommt es vor, dass junge Leute Rat suchen, die eine Firma gegründet und ein hervorragendes Produkt haben, aber völlig vergessen, dass sie das Produkt auch verkaufen müssen. Sie irren, wenn sie meinen, nur weil das Produkt gut sei, kaufe es auch jeder. Deshalb sollte die Zielgruppe, die ein Firmengründer oder eine Firmengründerin ansprechen will, bekannt sein und ebenso deren Zahlungsmoral. Ich rate Gründungswilligen: Vermeiden Sie ein Klumpenrisiko, man darf nicht nur von einem Kunden abhängig sein. Wichtig ist, dass Sie ein grosses Netzwerk anpeilen können. Es kann nützlich sein, in einem Verein, einer Kirche oder einer Partei mitzumachen.