der arbeitsmarkt | 22.07.2009 | Text: Martin Peter
mp. Auf dem Campingplatz am Ufer des Hallwilersees, mit freier Sicht Richtung Alpen, sind es die Stammgäste und Rentner, die den Betrieb am Leben erhalten.
Die Lage könnte nicht idyllischer sein, am langgezogenen Hallwilersee, für den Campingplatz Seeblick in Mosen. Der Camping liegt an einer ufergeschützten Zone und lädt ein zum Verweilen, Wandern und Picknicken. Rund um den See führt ein Fussweg und dank vielen Bäumen können sich die Wanderer weitgehend im Schatten bewegen. Am Eingang zum Camping wird der Gast freundlich empfangen, vom Ehepaar Trunz, das hier die Verwaltung und den Kiosk mit Lebensmitteln betreibt. Pascal Trunz ist von der Seeblick AG angestellt und Barbara Trunz hat das Lokal für Lebensmittel gemietet. Beide Einkommen reichen, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Es ist neun Uhr morgens und das Campervolk ist schon mehrheitlich aus den Federn oder von den Matratzen gestiegen. Vor den Wohnwagen sitzen die Camper und frühstücken. Die Kinder haben bereits den Spielplatz und das Seeufer zum Baden aufgesucht. Von Hektik keine Spur. Es geht ruhig zu und her und viele Wagen bleiben geschlossen, weil niemand da ist, der sie bewohnt.
Dazu meint Pascal Trunz, dass die fest installierten Wohnwagen, 104 an der Zahl, vorwiegend im Besitz von Rentnern sind. Die kommen nicht unbedingt, wenn es Hochsaison ist. Die kommen, wenn's ihnen passt. Die Seeblick AG, Eigentümerin und Betreiberin des Campings, sei bestrebt, wieder mehr junge Familien zu motivieren, auf den Camping zu kommen und die Wagen der Alten zu übernehmen. Sie sollen den Betrieb in Mosen wieder neu beleben.
Patrick Leupi, so gegen dreissig Jahre alt, hat seinen Wohnwagen von der Grossmutter übernommen. Seit vielen Jahren kommt er jeden Sommer auf den Platz. Er wohnt in der Nähe und kann jederzeit nach Hause gehen, falls das Wetter nicht zum Aushalten ist. Andere Plätze sucht er nicht auf, denn sein Wohnwagen ist nicht mehr verkehrstauglich. Also geht er in seiner Freizeit nach Mosen. Hier kann er baden, surfen und segeln, wenn's der Wind zulässt. Heute bläst nur ein mildes Lüftchen. Da bleibt er am besten gleich am Ufer. «Baden ist angesagt», sagt Leupi.
Steffi von Känel, eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind, nimmt Platz am langen Tisch vor dem Kiosk. Sie gehört zum Stammpublikum auf dem Camping. Seit 17 Jahren kommt sie nach Mosen und hat neben dem Wagen ihrer Eltern selbst einen Wagen erworben. 1000 Franken für den Wagen und eine halbe Jahresmiete von 1037 Franken hat sie dafür bezahlt. Günstiger kommt man wohl kaum zu einem festen Standplatz. Jetzt will sie aber verkaufen. Sie kann sich den Platz nicht mehr leisten. Die Parzellen für die Wagen sind knapp bemessen: 8.5 Meter auf 10 Meter. Die Wagen dürfen nicht länger als 6.50 Meter sein. Zum Wagen gibt es immerhin genügend Platz für ein grosszügiges Vorzelt.
Durchreisende Camper aus aller Welt sind hier nur wenige anzutreffen. Die Saison 2009 sei bisher mässig verlaufen, sagt Trunz. Der Camping sei nur schlecht besetzt. Aus dem Ausland seien in diesem Jahr einige Deutsche und Engländer gekommen, die auf ihrer Reise Richtung Süden in Mosen einen Zwischenhalt eingeschaltet hätten. Die Campingplätze am Neuenburgersee und im Tessin seien voll ausgebucht. «Von diesem Andrang ist hier nichts zu spüren», wie Trunz enttäuscht erklärt. In Mosen herrsche eben ein instabileres Klima, so wie im ganzen Voralpengebiet. Hier stauten sich die Wolken, die vom Westen her herangetrieben werden. Das sorge immer wieder für ausgiebige Niederschläge. «Von dauerhaft schönem Wetter können wir hier nur träumen.»
Das hat Kurt Hofer aber nicht davon abgehalten, auch dieses Jahr seine Ferien in Mosen ausklingen zu lassen. Nach drei Wochen in Saint-Tropez auf einem grossen Campingplatz mit 4000 Plätzen, wo hektische Betriebsamkeit herrschte, hat er sich, zusammen mit seiner Frau, für zwei Wochen auf den Platz in Mosen zurückgezogen. Hier sei es ruhig und besinnlich. Der Platz sei ihnen schon seit 20 Jahren vertraut. Früher kamen sie mit ihren beiden Töchterchen regelmässig, Jahr für Jahr, an den Hallwilersee. Aus seinen Töchterchen sind inzwischen erwachsene Töchter geworden, die nicht mehr mit den Eltern auf Reisen gehen. Doch Herr und Frau Hofer wissen auch heute noch das Ambiente in Mosen zu schätzen. Sie gehören zum Stammpublikum, die diesem Platz mit Seeblick die Treue halten.