der arbeitsmarkt | 29.10.2009 | Text: Andrea Duttwiler

Netze spannen wie die Spinne

ad. Netzwerke können im Privat- und Berufsleben wertvoll sein. Für Aufbau und Pflege gibt es diverse Strategien. Diese kamen an der Tagung des Fachvereins Arbeit und Umwelt zur Sprache.

Netze spannen wie die Spinne
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Fachverein Arbeit und Umwelt FAU

Sibylle Fässler hat ihren Traum verwirklicht: Sie ist Sängerin und Gesangslehrerin. Ihr Arbeitsort ist das PROGR, das Berner Zentrum für Kulturproduktion. Hier hat sie einen Raum im Gewölbekeller gemietet, in dem bequem ihr Flügel und auch die Instrumente ihres Bandkollegen Platz finden. Sibylle Fässler nutzt aktiv das Netzwerk aus mehr als 100 Kulturschaffenden, die sich die 70 Atelier- und Büroräume im PROGR teilen. «Um mein Album aufzunehmen, durfte ich den besseren Flügel des einen Nachbarn benutzen und mir die Mikrofone eines anderen ausleihen», erzählt die junge Künstlerin.

So veranschaulicht sie den Teilnehmern der Tagung des Fachvereins Arbeit und Umwelt FAU, wie man in der Praxis netzwerkt. Der FAU-Tag Mitte Oktober in Bern stand unter dem Motto «Netzwerken - Türöffner für die Zukunft?!». Am Morgen bot er den über 200 Teilnehmern im Rahmen verschiedener Führungen die Gelegenheit, praktische Beispiele kennenzulernen. Der Nachmittag war der Theorie gewidmet. Auf dem Programm standen ein Referat von Benedikt Weibel und ein Podiumsgespräch mit Vertretern diverser Netzwerke.

Kontakte institutionalisieren

«Bei mir haben sich Netzwerke immer organisch ergeben», sagt Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef und Delegierter des Bundesrats für die EURO 2008, der als Hauptreferent geladen war. Er hält den Begriff Netzwerk indes für sehr dehnbar: «Man kann ihn positiv oder negativ verstehen, das Spektrum reicht von Freundschaft bis Filz». Damit ein Netzwerk produktiv werde, müsse man Beziehungsfelder aufbauen, pflegen und sich darin positionieren. Für seinen eigenen beruflichen Erfolg sieht er zwei Gründe: «Ich habe mich als Problemlöser positioniert und Kontakte ‹institutionalisiert›, etwa durch regelmässige Frühstückstreffen um sieben Uhr morgens.»

Regelmässige Treffen hält auch Barbara Urfer Wyss, Präsidentin der Business and Professional Women Zug und Kommunikationsfachfrau, für unerlässlich, um Netzwerke zu pflegen. Obwohl sich die Teilnehmer an solchen Treffen häufig über alles andere als das Geschäft unterhalten, stärken sie das Beziehungsnetz.

Authentisch und locker bleiben

Der Aufbau von Netzwerken gelingt am besten, wenn man keine Berührungsängste hat, authentisch und locker bleibt, lautet der Tenor der Gesprächsteilnehmer. Lockerheit empfiehlt auch Reto Gertschen, Technischer Leiter des Solothurner Kantonal-Fussballverbands. «Sport bietet daher besonders gute Kontaktmöglichkeiten», sagt er. Diese Erfahrung hat auch Benedikt Weibel gemacht, der durch seine sportbegeisterte Familie viel Zeit an Leichtathletikveranstaltungen verbracht hat und über diesen Umweg zum Delegierten des Bundesrats für die EURO 2008 wurde.

Bevorzugt Weibel die organische Variante, so kann es im Beruf helfen oder gar notwendig sein, Netzwerke gezielt aufzubauen. Tobias Lehr, Leiter Business Development der Online Community Atizo: «Wir wollen geeignete Leute treffen. Dazu ermitteln wir unsere eigenen Fähigkeiten und suchen dann Gemeinsamkeiten mit anderen.» Der gezielte Netzwerkaufbau erfordere mehr Zeit, so sein Fazit.

Aktiv auf Leute zugehen

«Bei der Stellensuche nützt dem Bewerber primär das Image, das er in einem Netzwerk hat», sagt Benedikt Weibel. Dieses Image ergebe sich aus Erscheinungsbild, sprachlichem Ausdruck, Auftritt und Handlung. Er persönlich habe es immer als heikel empfunden, jemanden direkt zu unterstützen. Für Theo Biedermann ist bei der Rekrutierung der Gesamteindruck aus fachlicher Erfahrung und persönlicher Kompetenz ausschlaggebend. Er rekrutiert international Kadermitarbeiter und ist Ambassador von Xing Zentralschweiz. «Zuerst wird eine Beziehung in einem Netzwerk aufgebaut. Ist sie gut, ergibt sich Geschäftliches», sagt er.

Zusammengefasst lautet die Netzwerkbotschaft der Podiumsteilnehmer: Offen, neugierig und respektvoll auf Leute zugehen, aktiv sein und unablässig nach seinen besonderen Fähigkeiten suchen. Urfer Wyss nimmt die Spinne als Vorbild: «Sie baut sich systematisch und sorgfältig ihr Netz, das sie trägt.»

 
 
 

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