der arbeitsmarkt | 12.11.2009 | Text: Hans Rechsteiner
hr. Umweltfreundliche und innovative Erfindungen will die Schweiz rund um den Globus exportieren. Dem Bund sind erneuerbare Energien und Cleantech jährlich eine Milliarde Förderfranken wert.
«Achtzig Prozent der Produkte, die wir in zehn Jahren kaufen werden, sind heute noch nicht erfunden.» Professor Oliver Gassmann vom Institut für Technologiemanagement der Universität St.Gallen wies schon in der Eröffnungsrede zum 4. Swiss Innovation Forum in Basel anfangs November auf die unerschöpflichen Möglichkeiten für die Schweizer Wirtschaft hin.
Täglich tüfteln unzählige klein- und mittelgrosse Betriebe an innovativen Projekten, über 100 Lehrstühle beschäftigen sich mit Energie, Umwelt und Cleantech. «Dabei schaffen bloss 0,6 Prozent der Ideen überhaupt den Markteintritt», sagte Gassmann. Das Wissen der führenden Institutionen in Forschung, Entwicklung sowie Innovation zu bündeln und die Firmenchefs zu vernetzen, ist das Ziel des Innovationsforums. Wie der Bund diese umweltfreundlichen Technologien fördern könne, wurde an der Innovationskonferenz diskutiert, zu der Bundesrätin Doris Leuthard eingeladen hatte.
Die Innovationskonferenz war eingebettet in die nationale Impulsplattform Swiss Innovation Forum. Hier treffen sich jährlich etwa 900 Chefs und Entscheidungsträger der Schweizer KMUs, um sich mit fachkundigen Persönlichkeiten über künftige Trends und neue Märkte auszutauschen. In diesem Rahmen zeigte Professor Peter Wippermann, der Gründer des Trendbüros in Hamburg und Dozent für Kommunikationsdesign an der Universität Essen, in atemberaubendem Tempo die Entwicklungen der Zukunft auf. Der Wandel von der Industriewerk- zur Netzwerkökonomie sei offensichtlich. «Programme statt Produkte» heisse die Losung. Wippermann nannte als Beispiel die Forschung rund ums Auto. «Das Auto beobachtet den Fahrer. Sie zahlen in Zukunft nur Versicherung, wenn Sie tatsächlich fahren». Die Vernetzung verschiedener Angebote sei bereits Realität, mit den neuen Kommunikationsmitteln sei alles machbar. «Branchen kommen in Kontakt, die früher nichts miteinander zu tun hatten, am Beispiel Autofahren der Fahrer, seine Automarke, seine Werkstatt, der Versicherer und die Telekommunikation, die im übrigen gratis wird, weil das Geld woanders verdient wird.» Die Individualisierung gehe vor dem Hintergrund vernetzter Medien so weit, dass Daten in Echtzeit an die verschiedensten Empfänger kämen, etwa der aktuelle Blutdruckwert direkt zum Arzt.
Verblüffend auch Wippermanns Beispiel mit den Champs-Elisées: Man hält sein i-Phone hoch und zeigt ihm die Einkaufsstrasse. Weil Google Street View davon schon Aufnahmen gemacht hat, erkennt das Programm die Strasse und meldet automatisch zum Beispiel die geöffneten Boutiquen, deren Angebot samt Preisen und auch, welche Cafés gerade geöffnet haben. «Du kannst im Häagen-Dazs die Zusammensetzung deines Caffè Macchiato vorbestellen, ihn zum Voraus bezahlen und gleich noch Deinen Sitzplatz reservieren». Das sei keineswegs Zukunftsmusik. Für die Märkte heisse das, den individuellen Kunden zum Mitarbeiter zu machen, «denn Datenbanken übernehmen die Funktion der Fabriken».
Im Rahmen des 4. Swiss Innovation Forums wurden die drei Preisträger des Swiss Technology Award 2009 gekürt. Die Comet Holding AG aus Flamatt erreichte den ersten Rang. Dank der von ihr neu entwickelten e-beam-Technologie werde es ab 2011 zum ersten Male möglich sein, bedeutende industrielle Verfahren in der Lebensmittel-, Pharma- und Druckindustrie umweltfreundlicher und wirtschaftlicher zu gestalten, heisst es in der Laudatio. Der zweite Preis ging an die Bernina International AG für ein hochpräzises Stoffschneidewerkzeug, das 2010 lanciert wird. Den dritten Rang vergab die hochkarätige Professoren-Jury dem ETH-Spin-off Femto Tools GmbH, einem jungen Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Mikro- und Nanorobotiksystemen spezialisiert hat.