der arbeitsmarkt | 11.01.2010 | Text: Michael Helbling
mh. Schön redete niemand die Krise an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse. Vielmehr gab es Appelle für mehr Glaubwürdigkeit und einen Gedankenaustausch zum Newsroom.
«Mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie in einem starken, strukturellen Wandel haben die Medien-schaffenden die Glaubwürdigkeitskrise erfunden.» Die Worte von Verleger-präsident Hanspeter Lebrument waren deutlich. Bestätigt wurde diese Glaubwürdigkeitskrise, so Lebrument, am letztjährigen Verlegerkongress in Interlaken, als Verteidigungsminister Ueli Maurer eine Breitseite gegen das Medienschaffen im Land feuerte und die anwesenden Verleger diesen verbalen Rundumschlag bekanntlich mit tosendem Applaus beklatschten.
Sein Eröffnungsreferat an der diesjährigen Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse in Zürich benutzte Lebrument denn auch für einen Appell an die Medienschaffenden, eben diese Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden. Das Bild der Medien gegen aussen müsse neu gezeichnet werden. «Wir müssen unseren Leserschaften beibringen, dass es sich lohnt, unsere Produkte zu konsumieren und dafür auch zu bezahlen.»
Catherine Duttweiler, Chefredaktorin des «Bieler Tagblatt», konnte dabei auf erste Erfahrungen verweisen, arbeiteten doch in Biel nicht nur Print und Online zusammen, sondern auch Radio und TV – dies allerdings in einem «Newsrüümli», wie sie anmerkte. Bei der Ringier-Gruppe in Zürich soll im Frühjahr 2010 dann aber der modernste seiner Art in der Schweiz stehen. «Sonntagsblick»-Chefredaktor Hannes Britschgi wies zunächst die Kritik zurück, die im vergangenen Herbst laut wurde, nachdem das ambitiöse Projekt kommuniziert worden war. Man glaube bei Ringier an die Zukunft des Printbereichs, sagte er, und investiere ja nicht einfach so 15 Millionen Franken. Zudem sehe er den Newsroom als Chance für die Journalisten, weil sie so für verschiedene Medien arbeiten könnten und das redaktionelle Miteinander gestärkt würde. Noch kein Thema ist der Newsroom im Hause Tamedia. Res Strehle, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeiger», betonte, wie wichtig die verschiedenen Redaktionskulturen seien. Print-Journalisten arbeiteten eben anders als Online-Journalisten – letztere bezeichnete er als Generation «Redbull-Turnschuh», erstere als Generation «Verveine-Birkenstock». Einigkeit herrschte indes darüber, dass ein von Gesprächsleiter Andrea Masüger angedachter «Newsroom 2.0», der Redaktion und Verlag vereine, keine Option für die Zukunft sei.