der arbeitsmarkt | 11.01.2010 | Text: Michael Helbling

Mit dem Newsroom aus der Krise

mh. Schön redete niemand die Krise an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse. Vielmehr gab es Appelle für mehr Glaubwürdigkeit und einen Gedankenaustausch zum Newsroom.

Mit dem Newsroom aus der Krise
Vom Aussterben bedroht? Will der Printbereich überleben, führt an Online-Medien und Kooperationen kein Weg vorbei. Foto: Simone Gloor.

«Mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie in einem starken, strukturellen Wandel haben die Medien-schaffenden die Glaubwürdigkeitskrise erfunden.» Die Worte von Verleger-präsident Hanspeter Lebrument waren deutlich. Bestätigt wurde diese Glaubwürdigkeitskrise, so Lebrument, am letztjährigen Verlegerkongress in Interlaken, als Verteidigungsminister Ueli Maurer eine Breitseite gegen das Medienschaffen im Land feuerte und die anwesenden Verleger diesen verbalen Rundumschlag bekanntlich mit tosendem Applaus beklatschten.
Sein Eröffnungsreferat an der diesjährigen Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse in Zürich benutzte Lebrument denn auch für einen Appell an die Medienschaffenden, eben diese Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden. Das Bild der Medien gegen aussen müsse neu gezeichnet werden. «Wir müssen unseren Leserschaften beibringen, dass es sich lohnt, unsere Produkte zu konsumieren und dafür auch zu bezahlen.»

Newsroom als Redaktion der Zukunft

Auch Peter Studer, Publizist und Medienanwalt, rückte die aktuelle Krise in den Vordergrund seines Vortrages; die Lage sei ernst, aber nicht verzweifelt. Studer appellierte ebenfalls an die Verleger, die klassischen Massenmedien seien als «gesellschaftliche Vermittler, als politische Informanten, als wirtschaftliche und kulturelle Motivatoren unentbehrlich». Davon höre er von Verlegern heute wenig. «Ihr Hauptthema ist das Sparen.» Sowohl Studer wie Lebrument forderten eine Rückbesinnung auf für Journalisten unabdingbare Eigenschaften wie Unabhängigkeit und Wahrhaftigkeit.
Doch was sind mögliche konkrete Strategien, der darbenden Medienbranche zu mehr Schwung zu verhelfen? Vor allem von Verlegerseite fiel immer wieder das Stichwort des Newsroom. Nachdem Romanus Otte, General Manager der «Welt Online», gezeigt hatte, wie in der Axel-Springer-Gruppe ein Newsroom etabliert wurde, fand im Rahmen eines Podiums ein Gedankenaustausch darüber statt.

Ein Turnschuh ist kein Birkenstock

Catherine Duttweiler, Chefredaktorin des «Bieler Tagblatt», konnte dabei auf erste Erfahrungen verweisen, arbeiteten doch in Biel nicht nur Print und Online zusammen, sondern auch Radio und TV – dies allerdings in einem «Newsrüümli», wie sie anmerkte. Bei der Ringier-Gruppe in Zürich soll im Frühjahr 2010 dann aber der modernste seiner Art in der Schweiz stehen. «Sonntagsblick»-Chefredaktor Hannes Britschgi wies zunächst die Kritik zurück, die im vergangenen Herbst laut wurde, nachdem das ambitiöse Projekt kommuniziert worden war. Man glaube bei Ringier an die Zukunft des Printbereichs, sagte er, und investiere ja nicht einfach so 15 Millionen Franken. Zudem sehe er den Newsroom als Chance für die Journalisten, weil sie so für verschiedene Medien arbeiten könnten und das redaktionelle Miteinander gestärkt würde. Noch kein Thema ist der Newsroom im Hause Tamedia. Res Strehle, Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeiger», betonte, wie wichtig die verschiedenen Redaktionskulturen seien. Print-Journalisten arbeiteten eben anders als Online-Journalisten – letztere bezeichnete er als Generation «Redbull-Turnschuh», erstere als Generation «Verveine-Birkenstock». Einigkeit herrschte indes darüber, dass ein von Gesprächsleiter Andrea Masüger angedachter «Newsroom 2.0», der Redaktion und Verlag vereine, keine Option für die Zukunft sei.

Noch fehlen die Erfahrungen

Die Befürworter eines Newsroom liessen mehr oder weniger deutlich durchblicken, dass der Newsroom Arbeitsabläufe optimiere und Ressourcen bündle. Als reine Sparübung wollte niemand den Newsroom bezeichnen. Wenig überraschend gab die Podiumsrunde keine abschliessende Antwort auf die Frage, ob der Newsroom nun eher Denkfabrik (Think Tank) oder Ausbeutungsbetrieb (Sweatshop) sei. Zu kontrovers und plakativ die Frage – und zu gering entsprechende Erfahrungen.
Die übrigen Beiträge der Tagung befassten sich mehr oder weniger eng mit der Frage, welche Wege die Branche beschreiten müsse, um aus der Krise bzw. den verschiedenen Krisen zu finden. Dabei zeigte sich, dass letztlich kein Weg an den Online-Medien und an Kooperationen vorbeiführt.

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche