der arbeitsmarkt | 24.03.2010 | Text: Annamaria Ress

Sozialkompetenz ist kein Schulfach

ar. Mit der zweiten Bildungsstudie Schweiz reift die Erkenntnis bei den Bildungsanbietern, dass die Aus- und Weiterbildung vermehrt auf Sozial- und Selbstkompetenzen setzen sollte.

Sozialkompetenz ist kein Schulfach
Bildungsmesse ZH. Foto: Annamaria Ress
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Bildungsstudie Schweiz

Einen Tag vor Eröffnung der Zürcher Bildungsmesse (24. bis 26. März) ist die «Bildungsstudie Schweiz» erschienen. Diese hatte der Messeveranstalter APV Verlag zum zweiten Mal bei der Fachhochschule St. Gallen in Auftrag gegeben. Das Schwerpunktthema der Bildungsstudie bildet die Aus- und Weiterbildung in der Deutschschweiz. Rekrutiert wurden rund 3600 Personen aus den verschiedensten Bildungsinstitutionen. Diese beurteilten ihre persönlichen Einschätzungen in Themenbereichen der Aus- und Weiterbildung online. Die Befragten stehen bereits im Berufsleben, kurz vor einem Studium (Sekundarstufe II) oder absolvieren eine akademische Ausbildung (Tertiärstufe).

Geld aus privaten Quellen investiert

Alle Befragten sehen ihren Schwerpunkt auf dem Erwerb von fachlichen Kompetenzen. Über ein Viertel von ihnen jedoch legt grossen Wert darauf,  gleichzeitig methodische Kompetenzen sowie Sozial- und Selbstkompetenzen zu erwerben. Fähigkeiten, die im Arbeitsleben ebenfalls gefragt sind: «Es braucht vermehrt solche Kompetenzen für ein sinnvolles Konfliktmanagement und eine gute Personalführung in den Unternehmen», sagte Lukas Scherer, Institutsleiter an der Fachhochschule St. Gallen. Fähigkeiten, die nicht in einem Schulfach erworben werden können: «Es ist eine Tatsache, dass Sozialkompetenz nicht in der Schule erlernt werden kann, sondern im Alltagsleben, in der Familie und am Arbeitsplatz», sagte die Zürcher Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Die Selbsteinschätzung der Befragten sei enorm wichtig für die Erkenntnisse der Bildungsanbieter, sagte Lukas Scherer. Tatsächlich überraschen einige Aussagen. Zum Beispiel, dass die Deutschschweizer Bildungswilligen aus der Sekundarstufe II bereit sind, Aus- und Weiterbildung weitgehend aus ihrer eigenen Tasche zu bezahlen (23.8%). Auf der Sekundarstufe II  wird Ausbildung auch von Arbeitgebern finanziert (25,3%), ein staatliches Darlehen wird nur von 0,5 Prozent der Auszubildenden in Anspruch genommen.
Ein Drittel der Personen aus der Tertiärstufe setzen ihre eigenen Ersparnisse ein. 40 Prozent sind sogar bereit, eine jährliche Investition von bis zu 10 000 Franken zu tätigen. «Es ist viel Geld, das in die Weiterbildung des Einzelnen investiert wird. Zwischen 5000 und 30 000 Franken pro Person werden für die persönliche Ausbildung ausgegeben», sagte André Schläfli, Direktor des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung SVEB.

Arbeitgeber investieren weniger in Bildung

Gemäss Studienerhebung sind 55,8 Prozent der Befragten damit einverstanden, ihre Ausbildung länger als vier Jahre fortzusetzen. Als ideal wurde ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren Ausbildungszeit definiert.
Jeder zweite Bildungswillige (57,9%) fasst nach Abschluss der Bildungsmassnahme einen Auslandaufenthalt ins Auge. Häufig geht dies mit dem Erlernen oder Verbessern einer Fremdsprache einher. Auch die Vorbereitung auf das zukünftige Berufsleben wird in der Studie betrachtet.  70 Prozent der Befragten sehen sich durch die aktuelle Aus- und Weiterbildung auf das zukünftige Berufsleben vorbereitet.
Die Informationskanäle, aus denen die Bildungswilligen ihr Wissen für die Wahl der Bildungsinstitution beziehen, beschränken sich keineswegs nur auf das Internet. Im Gegenteil ermittelte die Befragung, dass rund 27 Prozent grossen Wert auf die Mund-zu-Mund-Empfehlung legen und erst danach die Homepages oder Prospekte der Bildungsinstitutionen näher betrachten (22%). Als zeitliche Formen von Bildungsveranstaltungen bevorzugen die Befragten modulare Angebote und Lehrgänge, gerne abends unter der Woche oder am Samstag.

Lukas Scherer sieht sich bestätigt: «Die Bildungsnachfrage geht tendenziell nicht zurück, auch nicht in wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten. Was sich jedoch verändert hat, ist die Finanzierungsfrage. Viele Unternehmen fahren derzeit ihre Investitionen im Weiterbildungsbereich massiv zurück.»
Der Gast aus der Wirtschaft, Matthias Mölleney, Berater im Personalmanagement und ehemaliger Personalchef von Swissair brachte die Erkenntnis aus der Bildungsstudie auf den Punkt: «Die Vermittlung von sozialen Werten und Kompetenzen wird immer wichtiger neben den allgemeinen Fähigkeiten.»

 
 
 

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