der arbeitsmarkt | 03/2010 | Text: Robert Hansen
175 765 Menschen waren Ende Januar bei den RAV mit dem Status «arbeitslos» eingeschrieben. 47 335 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht einer Steigerung von 36,9 Prozent, und die Arbeitslosenquote liegt damit bei 4,5 Prozent. Bis knapp über 5 Prozent kann sie dieses Jahr zu liegen kommen, errechnen die Spezialisten. Nicht in diesem Prozentsatz aufgeführt sind Menschen, die ihr «Recht auf Arbeitslosenentschädigung ausgeschöpft» haben, wie es im Fachjargon
heisst. Sie müssen mit eigenen Mitteln für ihr Leben aufkommen. Oder sie erhalten Sozialhilfe. 236 317 Stellensuchende waren im Januar 2010 registriert. 28 569 gelten als Langzeitarbeitslose. Auch Zahlen aus der aktuellsten SECO-Statistik.
Die Krise, die Wirtschaftskrise, die Weltwirtschaftskrise zeigt ihre Auswirkungen auch in der Schweiz. Nicht so stark wie in den umliegenden Ländern oder in den USA. Aber bedeutend genug, um das Thema im Fokus dieser Ausgabe vertieft zu beleuchten. Der Soziologe Ueli Mäder fordert, Arbeit und Erlös besser zu verteilen. Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes, ist von der Strategie
«Kurzarbeit statt Entlassungen» überzeugt. Trotzdem gingen viele Stellen verloren. Die Gewerkschaften schätzen, dass die Krise rund 100 000 Arbeitsplätze fordert.
Die Krise hat auch Auswirkungen auf den Gesundheitsbereich. Stress, Unsicherheit und Mobbing führen vermehrt zu psychischen Erkrankungen. Die von der Allgemeinheit getragenen Kosten steigen - fast schon zynisch: Immerhin geht der Gesundheitsbranche die Arbeit nicht aus. Von einer Krise ist auch in der Pharmaindustrie nichts zu spüren. Deren Gewinne sind auf Rekordniveau. Stark
gebeutelt wurde hingegen die metallverarbeitende Industrie. Die Hotellerie und die Gastronomie schrieben ebenfalls schon bessere Zahlen.
Die grösste Schweizer Bank befindet sich noch immer in der Krise. Die UBS schreibt 2009 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken. Was deren Angestellte nicht beunruhigen dürfte. Diese Zeche bezahlen andere. Für das Jahr 2009 erhalten sie 3 Milliarden Franken Boni. Bei allem Verständnis, gute Leute mit Bonuszahlungen an den Arbeitgeber zu binden. Von «verdienen» kann da nicht mehr
gesprochen werden. Die Credit Suisse wird fast 7 Milliarden zusätzlich zum ohnehin üppigen Salär verteilen. Solch astronomische Summen sind nicht mehr fassbar.
Alleine die bereits zugesicherten Krisenjahr-Bonuszahlungen der UBS und der CS zusammen würden reichen, um jeden einzelnen Stellensuchenden unseres Landes mit über 40 000 Franken zu beglücken. Diese Zahl taucht in keiner Statistik auf.
Aber sie sagt viel über Gewinner und Verlierer der Krise in der Schweiz aus.
Oder anders ausgedrückt: Die grössten Verursacher der Krise sind gleichzeitig die grössten Gewinner.