der arbeitsmarkt | 04/2010 | Text: Daniela Palumbo

Wiedereinstieg ohne Abstieg

Meine Babypause hatte ein halbes Jahr gedauert, Mutter­schafts­urlaub plus Überstunden, danach kehrte ich zurück an meine Redaktorinnenstelle in einem Schweizer Nachrichtenmagazin. Arbeit wie Pensum (80 Prozent) blieben gleich. Trotzdem war manches anders.

Nach der Geburt meiner Tochter war ich nicht mehr nur Redaktorin, sondern auch Mutter. Im Grunde eine unver­einbare Kombination. Hier die stets flexible Nachrichten­jägerin, da die in ein starres Zeitkorsett geschnürte Nest­wärme­spenderin.

Konnte die Schwangere dank Stützstrümpfen auf der Redaktion Nachtstunden schieben, musste die Mutter bis 18 Uhr ihre Tochter von der Krippe abholen. Konnte die Kinderlose ihre Zeit mit Kaffeepausen vertrödeln und Afterwork-Partys besuchen, musste die Mutter ihren Zeitplan dicht belegen, damit die Arbeit nicht zu kurz kam. Die Tochter dankte es ihr, die Kollegen nicht. Gelitten hat das berufliche, durch informelle Begegnungen gestrickte Netzwerk: Die Maschen weiteten sich. Manchmal fühlte sich die Redaktorin in der von Männern dominierten Redaktion mutterseelen­allein. Die Erkenntnis war bitter: Das Verständnis für das knappe Zeitbudget einer berufstätigen Mutter fehlte in dieser kinder­losen Arbeitswelt.

Ich stieg um. Jetzt arbeite ich als Erwachsenenbildnerin, in einer jener seltenen 50-Prozent-Stellen, coache Menschen, die als Journalisten in diesem Nachrichtenbusiness durchstarten wollen, pflege die Beziehung zu meiner Tochter.
Ich bin zufrieden. Für viele hingegen bedeutet die Babypause nicht einen Wieder- oder Umstieg, sondern einen Abstieg. Wie die Marketingleiterin, die nach ihrem Mutterschaftsurlaub statt ihrer Vollzeitstelle ein 60-Prozent-Pensum als Buchhalterin annahm.

Die Karriere kostet Zeit. Ein Gut, das manche Mutter ausser­halb der Arbeitszeit ihrem Kind schenken statt in unbezahlte Überzeit investieren möchte. Deshalb braucht es andere Arbeitszeitmodelle: mehr Teilzeitstellen unter 60 Prozent für Hochqualifizierte, Jobsharing und Lebens­arbeitszeit, die Müttern eine individuelle Auszeit ermöglicht, die weder Aussteigerinnen noch Absteigerinnen produziert. Denn berufstätige Mütter sind ein Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft: Sie sind die besten Zeitmanagerinnen.

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche