der arbeitsmarkt | 12.05.2010 | Text: Reto Liniger

Elterngeld in der Schweiz?

rl. In Deutschland gibt es ein Elterngeld. Nur wenige Väter nutzen es jedoch. Es gibt Bestrebungen, das Modell mit einem Bundesgesetz auch in der Schweiz einzuführen.

Elterngeld in der Schweiz?
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Studie zum Elterngeld

Im Gegensatz zur Schweiz kennt Deutschland nicht nur eine Mutterschaftsversicherung, sondern auch einen Vaterschaftsurlaub. Nach der Geburt eines Kindes bekommen beide Elternteile insgesamt für maximal 14 Monate Lohnfortzahlungen, das sogenannte Elterngeld. Doch nur 17 Prozent der deutschen Väter nutzen diesen Elternurlaub. Die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich hat in Zusammenarbeit mit dem KV die Diskussion um dieses Modell in der Schweiz angeregt und am Montag in einer Veranstaltung erste Erfahrungen aus Deutschland präsentiert. Die Soziologin Svenja Pfahl hat in einer Studie die ersten zwei Jahre des seit 2007 geltenden Gesetzes ausgewertet. Ihr Fazit: Das berufliche Fortkommen steht einer verbreiteten Nutzung des Elterngeldes noch immer im Wege. Zentral sei auch die finanzielle Lage der Väter sowie die Situation in den Betrieben. Bin ich ersetzbar? Ist es akzeptiert, dass ich eine Auszeit nehme? Dies seien Fragen, welche sich die Väter stellten, so Pfahl.

Intensivere Beziehung zwischen Vater und Kind

Die Nutzer, die sogenannten Elterngeld-Väter, seien eine heterogene Gruppe. Jeder könne da seinen eigenen Weg gehen. Einige Väter profitierten vom Elterngeld ein bis zwei Monate gerade nach der Geburt und dies gleichzeitig mit der Frau. Andere nähmen das Elterngeld versetzt mit der Partnerin - teilen also paritätisch die Aufgabe der Babybetreuung. Noch andere gäben sogar dem beruflichen Fortkommen der Partnerin den Vortritt  und sorgten sich die ersten 12 Monate um das gemeinsame Kind.

Um die Akzeptanz dieses Gesetzes zu fördern, brauche es aber Zeit. Die Betriebe müssten sich auf die veränderte Situation einstellen. «Ziel ist ein gesellschaftlicher Wandel. Eine Veränderung der Betriebskultur. Und die Bereitschaft der Väter, sich vom Beruf temporär zu distanzieren.» Pfahl betont, dass dieser gesellschaftliche Wandel langfristig zu einer Aufwertung der Familie und einer intensiveren Beziehung zwischen Vater und Kind führe. Die Väter nähmen so stärker am familiären Leben teil und relativierten in der Folge die Bedeutung der Arbeitswelt. Auch neue Arbeitsformen würden so gefunden: mobiles Arbeiten, oder bessere Abstimmung der Arbeitszeiten mit den familiären Interessen. Zentral sei, dass durch das Elterngeld die beruflichen Chancen der Frau stark verbessert würden.

«Beim Militär hat es ja auch geklappt»

Braucht es auch in der Schweiz ein solches Gesetz? Ist es überhaupt finanzierbar? Ist die Gesellschaft bereit für einen solchen Wandel? Dies waren die zentralen Fragen, der anschliessenden Podiumsdiskussion. Die Zürcher Kantonalbank hat bereits ein Modell. Während zehn Tagen können die Väter nach der Geburt dem Betrieb fern bleiben. «Alles hat Grenzen», sagte René Hoppeler, Leiter Personal der Zürcher Kantonalbank. «Die Betriebe sind nicht so weit, deshalb wäre eine nationale Verordnung der falsche Weg. Jeder Betrieb soll seine eigenen Wege gehen.» Ein Affront für die SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Sie ist sicher, dass dies zu einem Zweiklassensystem führen wird. Gesunde Betriebe würden dann Lösungen anbieten, andere nicht. Deshalb sei eine nationale Lösung der einzige Weg. «Neue Gesetze sind Wegbereiter für gesellschaftlichen Wandel. In Skandinavien ist das Elterngeld selbstverständlich geworden», so Fehr. Markus Theunert vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen sprach sich ebenfalls für eine nationale Lösung aus, denn dadurch würde sich längerfristig die Beziehung zwischen Vater und Kind verbessern: «Die Kinder wachsen ohne Väter auf. Und die Frauen haben heute andere Bedürfnisse also noch vor einigen Jahren. Dem müssen wir Rechung tragen.» Zurzeit sei es unmöglich weitere Sozialversicherungen zu finanzieren, sagte Ruth Derrer vom Schweizer Arbeitgeberverband. Unternehmen seien da individuell gefordert. Jacqueline Fehr konterte: «Beim Militär ist es möglich, eine Auszeit zu nehmen. Es wäre also eine Frage der Organisation. Im Militär hat es zu viele Männer, die Familie hat zu wenig Väter.»

 
 
 

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