der arbeitsmarkt | 20.05.2010 | Text: Simone Sonderegger

Blitzlicht

Andrea Ender, 31, Assistentin am Institut für Sprachwissenschaft, Universität Bern

Blitzlicht
Foto: Simone Sonderegger

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Ich habe mich eigentlich gut gefühlt. Ich war gespannt, wie ich das heute alles auf die Reihe bekomme, weil ich um 12 Uhr eine Lehrveranstaltung zu Pragmatik und Semantik habe und noch nicht 100 Prozent vorbereitet bin. Deshalb habe ich mir auf dem Weg zur Arbeit bereits im Kopf zurechtgelegt, was ich noch machen und organisieren muss. Gleichzeitig habe ich meinen Sohn in die Krippe gebracht.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Wenn Dinge komplizierter ablaufen, als es eigentlich nötig wäre. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Abläufe einfacher sein könnten. Besonders Verwaltungsabläufe sind manchmal kompliziert und mühsamer, als man sich das wünschen würde. Schwierig finde ich es, wenn ich mich auf Abmachungen nicht verlassen kann, und wenn andere Personen mich bei Terminen versetzen. Diese
Reibungspunkte gibt es natürlich überall, wo Menschen zusammenarbeiten.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Ich finde es super, dass meine Arbeit abwechslungsreich ist. Ich schätze es sehr, dass ich Studentinnen und Studenten unterrichten und mit ihnen zusammenarbeiten kann. Es sind Themen, für die ich mich begeistern und über die ich Wissen weitergeben kann. Zusätzlich kann ich an eigenen Forschungsprojekten zu linguistischen Themen arbeiten. Ich versuche ein gutes Gleichgewicht zu finden in der Unterrichtsarbeit, der Betreuungsarbeit von Studierenden und dem
Vorantreiben eigener Forschungsprojekte.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Ich finde es schwierig, Freizeit zu definieren. Definiert man Freizeit so, dass man zu dieser Zeit nicht am Arbeitsplatz verbringt, dann habe ich viel Freizeit. Ich arbeitete 65 Prozent, für Tagungsvorbereitungen, Veröffentlichungen und anderes wird es aber leicht einmal mehr. Drei Tage bin ich an der Uni, zwei Tage zu Hause bei meinem kleinen Sohn. Das ist in dem Sinne Freizeit, da ich das natürlich gerne mache, aber es ist mit Verpflichtungen verbunden, und auf eine andere Art anspruchsvoll als meine Lehr- und Forschungstätigkeit. Es wäre wieder mal Zeit, dass ich öfters jogge, einen Krimi lese, für eine Stunde in der Buchhandlung verschwinde oder mit Freundinnen Kaffee trinke.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Bezogen auf mich und meinen Mann im Speziellen würde ich sagen noch nicht. Ich bin bei der Arbeitsstelle nicht betroffen. Im weiteren Familienkreis schon, in meiner Familie war jemand für ein paar Monate von Kurzarbeit betroffen. Ich weiss aber nicht, wie sich das in Zukunft entwickeln wird, wenn zum Beispiel jemand von uns vielleicht eine neue Arbeit suchen muss. Sorgen mache ich mir keine, aber ich mache mir grundsätzliche Gedanken, was die Wirtschaftskrise für langfristige
Folgen haben könnte, vor allem was die Inflation angeht, die auch die eigenen Ersparnisse betreffen kann. Ich mache mir Gedanken, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Gewisse Sachen finde ich sehr unverständlich, was zum Beispiel aufgrund von Spekulationen passieren kann und dass gewisse Leute aus Profitgier den Boden unter den Füssen verlieren und sich gar nicht mehr überlegen können,
was mit dem Geld von anderen Leuten passiert.

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche