der arbeitsmarkt | 15.06.2010 | Text: Reto Liniger

Gut gemeint ist nicht immer gut

rl. Beschäftigungsprogramme haben nicht immer den gewünschten Effekt. Um Abbrüche zu verhindern, müssen Sozialhilfeexperten die Lebenssituationen der Sozialbezüger gut überprüfen.

Gut gemeint ist nicht immer gut
Zerlegung von Computer im PUB Recyclo SNH in Horgen. Foto: Simone Gloor
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Studie zu Arbeitsintegrationsprogrammen der Stadt Zürich

Die Sozialhilfe stellt eine breite Palette von Programmen bereit, um Sozialbezüger wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Selten verläuft aber dieser Integrationsprozess linear. Viele der Sozialbezüger brechen ihre Programme ab. «Gut gemeint ist nicht immer gut», war das Thema einer Veranstaltung letzten Donnerstag in der Fachhochschule Luzern. Dozentin Eva Mey ging den Gründen nach, warum viele ihre Beschäftigungsprogramme abbrechen. Sie präsentierte die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie «Qualitative Evaluation der Arbeitsintegrationsprogramme der Stadt Zürich». Faktoren ausserhalb der Massnahmen seien hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Beschäftigungsprogramme abgebrochen würden: Eine Sucht, familiäre oder gesundheitliche Probleme - sprich der biographische Hintergrund sei oft für das Scheitern verantwortlich, sagte Mey. Aber auch die Arbeitsprogramme können Ursache sein: Wenn die Tätigkeit nicht als sinnvoll erachtet werde, nicht im Bereich der eigenen Biographie liege oder die Nützlichkeit der Arbeiten angezweifelt werde, könne dies ebenfalls zu einem Abbruch führen. Dazu komme das Problem mit der Langzeitarbeitslosigkeit: «Je länger jemand in einem Programm ist, desto schwieriger die Situation.» Der Teilnehmer bekomme Angst vor der Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt und vor dem erneuten Scheitern. Die Ergebnisse dieser Studie könnten dazu dienen, die Integrationsmassnahmen effizienter zu gestalten. Die Zumutbarkeit von Programmen richte sich zwingend nach den Ressourcen der Sozialbezüger, sagte Mey. 

Eingehen auf den Einzelnen

In der Podiumsdiskussion berichteten Sozialhilfeexperten aus ihrer Praxis. Je besser sie die biographische Situation einer Person kennen, desto weniger werde ein Programm abgebrochen. «Vor der Arbeitszuweisung prüfen wir die Situation jedes Klienten genau», sagte Annette Elbert von der Sozialhilfe der Stadt Basel. Jeder bekäme einen Case-Manager, der sehr genau auf den einzelnen Menschen eingehe. Wie ist seine Gesundheit? Hat er Schulden? Wie ist die familiäre Situation? Solche Fragen untersuche dieser, bevor dem Sozialbezüger ein Arbeitsprogramm zugewiesen werde. «Viele Klienten bekommen, was sie nicht brauchen», sagte Elbert. Hans-Peter Widmer von der Caritas Luzern ist Anbieter von solchen Programmen. Caritas kläre die Berufsbiographie in jedem Fall ab, sagte Widmer. Um einen positiven Effekt mit den Programmen zu erzielen, müssten die Sozialbezüger «dort abgeholt werden, wo sie stehen. Die richtige Massnahme für die richtige Person.» Erst so sei die Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt ein realistisches Ziel. 

Sozialhilfe ist mit Druck verbunden

Falls es trotzdem Probleme gäbe, suche er das Gespräch, sagte Widmer. Er führe Gespräche mit dem Teilnehmer, aber auch mit der zuständigen Person beim Sozialamt. Das Ziel der Programme müsse individuell definiert werden. «Teils geht es mir nur darum, dass jemand arbeitet, teils aber auch um Reintegration.» Den jeweiligen Fall kläre auch das Sozialamt ab, sagte Martin Gfeller von den Sozialen Diensten der Stadt Winterthur. Da durchleuchte ein Case-Manager die Probleme genau. «Sozialhilfe ist auch mit Druck verbunden. Wir müssen schauen, ob jemand nicht kann, oder ob er nicht können will.»

 

 

 
 
 

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