der arbeitsmarkt | 15.06.2010 | Text: Miriam Bollhalter

Blitzlicht

Claudia Doron-Zahner, 41, Relocation-Unternehmerin, Buchs SG

Blitzlicht
Foto: Miriam Bollhalter

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Trotz der eisigen Kälte begab ich mich zu Fuss in mein Büro. Ich dachte an das bevorstehende Treffen mit einem Japaner, der aus beruflichen Gründen gerade zu uns ins Alpenrheintal gezogen ist. Es ging mir durch den Kopf, was ein Japaner an Erwartungen seiner neuen Heimat gegenüber mitbringt. Ich überlegte auch, wie sich der Mexikaner, der heute Abend mit seiner Frau ankommt, wohl in der Wohnung fühlt, die ich für ihn besorgt habe. Der Gedankenfluss zwischen Japan, Mexiko und der Schweiz rief in mir Vorfreude auf den beginnenden Tag hervor.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?


Zum Glück verspüre ich so was nur selten, aber es kommt vor, dass ich meine Klienten darauf hinweisen muss, dass mein Rat zu bestimmten Zeiten nicht zur Verfügung steht - z. B. spätabends. Ich muss mich manchmal abgrenzen, was nicht so einfach ist, wenn ich eine freundliche Beziehung weiterhin aufrechterhalten will. Auch die Überzeugungsarbeit, die ich bei Politikern und Behörden ab und zu leisten muss, ist nicht unbedingt das, was ich mit Freude mache. Integration ist nur dann für alle Beteiligten erfolgreich, wenn wir zusammen arbeiten und uns vernetzen. Unflexibilität, Bürokratie und Kompliziertheit hindern am Erfolg.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?


Durch meinen Job erfüllte ich mir einen Traum und zwar befriedigte ich das Bedürfnis nach Begegnung und Austausch mit anderen Kulturen und Menschen. Einerseits bringe ich bei der Unterstützung internationaler Firmen bei der Ansiedlung neuer Fachkräfte meine Persönlichkeit samt Kreativität in einem hohen Mass ein. Andererseits harmonisiere ich als Selbständige den Job mit den Bedürfnissen meiner eigenen Familie viel besser als früher, als ich angestellt war. Was will ich mehr?

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?


Eigentlich nicht. Vermutlich dadurch, dass ich meine Zeiten selbst einteilen kann, habe ich nicht das Gefühl, dass etwas oder jemand zu kurz kommt.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?


Seit Dezember 2008 spüre ich Sie ganz prekär. Durfte ich davor im Rahmen eines Auftrags bei der Umsiedlung einer Fachperson in die Schweiz das ganze Paket abwickeln, ist dies heute sehr reduziert. Die Firmen beauftragen zunächst ihre eigenen Personalbüros mit allem, was sie selbst erledigen können und mir überlässt man dann nur einzelne Teilarbeiten. Es sind dann die unangenehmen Seiten wie z.B. Behördenlauf. Oder man will meine Betreuung erst, wenn die Ehefrau des neuen Mitarbeiters sozusagen auf dem Heimweg ist, weil man ihre Bedürfnisse schlichtweg vergessen hatte. Die Auswirkungen der Krise mildert zum Glück der Umstand, dass ich auch ein zweites Standbein als Coach aufgebaut habe, dies gibt mir im Moment den nötigen finanziellen Halt.

 
 
 

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