der arbeitsmarkt | 17.06.2010 | Text: Bianka Hubert
Hansjörg Adler, 56, Blindenführhund-Instruktor, Liestal
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Die ist eigentlich jeden Morgen gleich. Ich freue mich auf die Arbeit, weil ich meinen
Beruf liebe. Ich arbeite grundsätzlich sehr gerne.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Ich fälle nicht gerne Entscheidungen gegen Hunde. Es macht mir besonders zu
schaffen, wenn ich einen Hund ausscheiden muss, der nur kleine Mängel hat.
Manchmal beschäftigt mich das noch Wochen oder Monate später. Ich frage mich
dann immer wieder, ob ich richtig entschieden habe oder ob der Hund vielleicht
doch ein guter Führhund geworden wäre. Menschen abzusagen, fällt mir leichter,
weil ich den Betroffenen meine Gründe erklären kann. Mit den Hunden kann ich
nicht reden.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Mir gefällt die Abwechslung von Büroarbeit, Hundetraining und der Ausbildung
unserer jungen Instruktoren. Ich arbeite gerne mit den Hunden und den
verschiedenen Klienten zusammen. Es freut mich, ein gutes Team aus Hund und
Sehbehindertem formen zu können, das am Morgen im dichten Berufsverkehr
sicher und unfallfrei unterwegs sein kann.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Das habe ich mir noch nie überlegt. Ich bin glücklich, wie es jetzt ist. Meine Frau
arbeitet auch im Betrieb, also sehen wir uns oft auf der Arbeit. Unsere Kinder sind
schon gross und gehen ihre eigenen Wege. Ich brauche deshalb nicht mehr
Freizeit. Mich musste man aber schon immer eher bremsen beim Schaffen:
Vielleicht hätte ja mein Umfeld gerne mehr Freizeit für mich und mit mir?
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Bis ein Blindenführhund an seinen Besitzer übergeben werden kann, muss unser
Verein gut fünfzig Tausend Franken investieren. Insgesamt brauchen wir pro Jahr
etwa 1,8 Millionen Franken. Dieses Geld stammt zum grössten Teil aus privaten
Spenden. Die Invalidenversicherung mietet den Hund erst als Hilfsmittel für einen
bestimmten Sehbehinderten, wenn das Gespann einsatzbereit ist. Wegen der Krise
müssen viele unserer treuen Kleinspender sparen. Im vergangenen Jahr sind
deshalb die Spenden bei uns um 25 bis 30 Prozent eingebrochen. Das bringt uns
an Grenzen.