der arbeitsmarkt | 24.06.2010 | Text: Annamaria Ress-Karl

Blitzlicht

Letizia Fiorenza, 53, Sängerin und Atempädagogin, Uster

Blitzlicht
Foto: Annamaria Ress-Karl

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Heute begann mein Tag sehr früh, weil ich bereits um 7.30 Uhr «Atem und
Meditation» sowie nachfolgend «Atem und Bewegung» unterrichtete. Grundsätzlich
ist meine Stimmung in den frühen Morgenstunden sehr gut. Ich geniesse es, um 5
Uhr aufzustehen, mich einzustimmen auf die bevorstehenden Kurse und Projekte.
Kurse erteile ich auswärts. In meinem Büro zuhause arbeite ich jeweils an meinen
eigenen Projekten als Sängerin.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?

(lacht) Eigentlich genau das, was ich zwingend brauche für meine Arbeit: meine
Freiheit. Die macht mir manchmal einen Strich durch die Rechnung, wenn ich
morgens die Struktur aller anstehenden Aufgaben erarbeite. Was packe ich zuerst
an, was kann warten? Es stehen immer Arbeiten an, die ich sofort erledigen muss,
gleichzeitig muss ich Arbeiten produzieren für das nächste halbe oder ganze Jahr.
Ich erfinde so meinen eigenen Arbeitsbereich täglich neu.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Genau dasselbe, natürlich! Meine Freiheit! Auch wenn sie Risiken birgt. Arbeite ich
nicht, verdiene ich keinen Rappen. Dafür bin ich frei und kann meine Kreativität auf
allen Gebieten anwenden. Sei das in der Kursgestaltung oder in den
Konzertprojekten, beim Unterrichten oder beim Zusammenführen von Menschen,
die sich mit Kultur beschäftigen. Auf all diesen Gebieten bin ich meine eigene
Chefin und das gefällt mir am allerbesten. Ausserdem bin ich natürlich so
krisenresistenter, weil ich noch nie etwas anderes gemacht habe, als meine Arbeit
täglich neu zu erfinden.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?


Nein, nicht wirklich. Ich trenne ja nicht ständig Arbeit und Freizeit. Vieles läuft
ineinander über, auch weil mein Lebenspartner im selben Bereich tätig ist.
Andererseits müssen wir uns manchmal gemeinsame Freizeit richtiggehend
verordnen. Wir geniessen es aber auch, wenn wir - zum Beispiel in den Ferien - an
einem gemeinsamen Projekt arbeiten können, ohne durch Telefon oder E-Mail
unterbrochen zu werden. Ich sehe es als einen fliessenden Übergang, der aus
meiner Sicht ideal ist.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?

Leute, die mich und kulturelle Projekte bisher immer unterstützt haben,
konzentrieren sich derzeit mehr auf soziale Anliegen. Dann beobachte ich, dass ich
mehr Mühe habe, die Gage, die seit 15 Jahren gleich ist, bei den Auftraggebern
durchzusetzen. Ich muss mehr Kompromisse eingehen.

 
 
 

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