der arbeitsmarkt | 06.07.2010 | Text: Reto Liniger
Martin Sutter, 64, Kinderarzt, Worb (BE)
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Die Stimmung war sehr gut. Die Arbeit in meiner Praxis gefällt mir. Ich freue mich jeden Tag darauf. Heute war es jedoch etwas früh. Ich musste bereits um 7 Uhr den ersten Patienten treffen. Normalerweise gehe ich so um 9 Uhr in die Praxis.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Mich nerven PC's oder Laborgeräte, die nicht funktionieren. Die unsinnigen Anfragen der Krankenkassen haben in den letzten Jahren leider zugenommen.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Meine vielen Kontakte mit den Patienten und den Eltern. Ich höre mir ihre Sorgen und Anliegen an und versuche, möglichst gut auf sie einzugehen. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl. Es kommt aber an Positivem und Erbaulichem viel zurück. Zum Beispiel bekomme ich lustige Zeichnungen von Kindern oder ein zufriedenes Lachen einer Mutter. Das gibt mir viel. Da ich selbständig Erwerbender bin, kann ich meine Zeit frei einteilen. Das braucht Flexibilität, ermöglicht aber viele Freiheiten.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Meine tägliche Freizeit ist knapp bemessen. Ich habe manchmal bis 19 Uhr Patienten. Danach steht die Büroarbeit an. Diese Zeit kompensiere ich aber. Ich kann mir ein längeres Wochenende gönnen oder eine zusätzliche Woche Ferien.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Sparen ist im Gesundheitswesen seit Jahrzehnten ein Dauerthema. In der letzten Zeit hat sich die Situation verschärft. Es häufen sich ständig Vorschläge und Massnahmen von Seiten der Politiker und Krankenkassen. Die Sparerei wirkt sich so direkt auf meine Arbeit aus. Ich muss ständig Berichte und Gutachten für die Krankenkassen ausfüllen. Dieser zunehmende Papierkrieg ist für mich die spürbarste Folge der Wirtschaftskrise.