der arbeitsmarkt | 08.07.2010 | Text: Urs Rüttimann
Markus Good, 56, Leiter Brocki Pfannenstil, Gossau
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Ich hatte eine Sitzung mit der Geschäftsleitung, die mich belastet hat. Wir mussten ein schwieriges Thema diskutieren: Das Brocki Pfannenstil soll mehr Einnahmen generieren. Die Institution ist dafür konzipiert, sich um die Integration psychisch beeinträchtigter Menschen zu bemühen. Sie lässt ein solches Leistungsdenken deshalb nur bedingt zu.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Mit den Mitarbeitern, die wir möglichst auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten und damit sozial integrieren möchten, gehe ich sorgsam um. Sind die Facharbeiter hingegen begriffsstutzig, so bin ich weniger geduldig. Eigentlich bin ich sehr belastbar. Wenn es aber nicht so läuft, wie ich will, geht es mir gegen den Strich.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Ich hatte das Glück, dass ich mir meinen Job selbst schaffen konnte. Das Brocki Pfannenstil habe ich gegründet. Mein Werdegang vom Kaufmann und diplomierten Psychiatriepfleger zum Leiter des Brockenhauses war sehr spannend, meine Ideen konnte ich im Berufsleben grossenteils verwirklichen. Noch jetzt bieten sich laufend spannende Entwicklungsmöglichkeiten. Ich habe große Freiheiten, kann kreativ sein und Neues initiieren. Ausserdem habe ich viel mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun. Diese zu führen und zu motivieren, befriedigt mich sehr.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Was ist Freizeit? Das brauche ich doch nicht (lacht). Ich funktioniere anders. Am Wochenende war ich am großen Flohmarkt in Kreuzlingen und Konstanz. Mein Beruf ist meine Leidenschaft, deshalb engagiere ich mich voll dafür. Ich liebe meinen Beruf sehr und denke nicht in der Schablone von Arbeit und Freizeit.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Ich spüre sie schon. Ich kenne Leute, die ihren Job verloren haben. Zudem hat sich die Stimmung unserer Kundschaft verschlechtert. Viele Leute lebten zuvor von diesem Geschäft und kauften beispielsweise im Brockenhaus Sachen ein, um sie dann auf dem Flohmarkt wieder zu verkaufen. Heute können diese Händler kaum noch davon leben. Die Kunden geben das Geld nicht mehr so locker aus wie zur Zeit der Hochkonjunktur. Sie suchen nicht mehr Sammlerstücke, an denen wir hauptsächlich verdienen, sondern kaufen fast nur noch Dinge, die für sie einen direkten Nutzen haben. Auch bei den Räumungsaufträgen sind die Kunden preisbewusster geworden. Viele achten heute vor allem auf den Preis und weniger auf unser soziales Engagement.