der arbeitsmarkt | 15.07.2010 | Text: Richard Ammann

Personalsuche mit Videoclips

ra. Die Verkehrsbetriebe Zürich suchen mit Kurzfilmen, in denen Abteilungsleiter als Chefs werben, nach Personal. Videopräsentation bekommt in der Stellenvermittlungsbranche mehr Bedeutung.

Personalsuche mit Videoclips
Szene aus dem Imagefilm der VBZ.
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In bewegten Bildern stellt sich Walter Spörri, Leiter Elektrotechnik bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ), den Zuschauenden vor. Mit wohlgewählten Worten, unterstützt durch passende Mimik und Gestik, beschreibt er die Tätigkeit in der Zentralwerkstätte. Stolz zeigt Spörri seinen Wirkungsbereich, den er seit knapp zehn Jahren leitet, und gibt anschliessend Privates von sich preis. Der sympathisch und bodenständig wirkende Kadermann ist, wie aus seinen Worten hervorgeht, auch Familienvater und Hobbysportler. Abgerundet wird die Präsentation von einem Mitarbeiter, der seinen Chef als tollen, umsichtigen Vorgesetzten schildert, der durch nichts aus der Fassung zu bringen ist und stets voll hinter seinem zwölfköpfigen Team steht.

Bewegte Bilder vom neuen Chef

Dieses Szenario ist der Inhalt einer Videopräsentation, mit der die VBZ auf ihrer Homepage seit kurzem Mitarbeitende suchen. Im Zuge eines Relaunchs ihres Internetauftritts im Frühjahr 2010 wagten sie dieses Experiment, das in doppelter Hinsicht in neues Gebiet vorstösst. Auf vbz.ch sind Filmclips von drei bis vier Minuten Dauer aufgeschaltet, in denen die zuständigen Kaderleute um potenzielle Mitarbeitende werben.

Dies hat den Vorteil, dass Interessierte ihren Chef und seinen Habitus schon vor einer Einstellung kennenlernen oder jedenfalls umfassender einschätzen können als wie bisher nur durch ein Bewerbungsgespräch. Der oder die Stellensuchende steht dadurch bereits in Kontakt mit seinem oder ihrem wichtigsten Gesprächspartner am möglichen neuen Arbeitsplatz. Allenfalls vorhandene Schwellenangst verschwindet oder kommt erst gar nicht auf. Neu ist der Umstand, dass diese Recruitingvideos direkt auf Besetzung offener Stellen abzielen; im einleitend beschriebenen Clip wird gezielt ein Elektrotechniker TS gesucht.

Ingenieure und Handwerker sind Mangelware

Wie kamen die Verkehrsbetriebe dazu, sich so weit auf das Terrain der neuen Medien vorzuwagen? Nach den Worten von Jörg Buckmann, Leiter Personalmanagement bei den VBZ, lagen sachliche Gründe für die forcierte Personalrekrutierung vor. Pro Jahr würden etwa 220 Mitarbeitende eingestellt. «In den nächsten Jahren wird, weil die Babyboomer-Generation nach und nach in den Ruhestand tritt, die Fluktuation merklich über die derzeitigen sieben bis acht Prozent steigen», führt der Leiter Personalmanagement dazu aus. Entsprechend vergrössere sich die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften. Mangelware seien vor allem Ingenieure und Handwerker. Es komme hinzu, dass die VBZ Interessierte für Stellen suchten, die nicht jedermanns Sache seien wie etwa die mit Schichtarbeit verbundenen Jobs. Für diese Kategorie könnten neue, kreative Wege der Personalgewinnung wie eben das Videorecruiting mit seinem Potenzial für die Übermittlung von Emotionen den gewünschten Erfolg bringen.

Gutes internes Echo

Wie haben die zu schauspielerischen Leistungen animierten Kaderleute der VBZ auf das Videoexperiment reagiert? Nicht alle, erzählt Jörg Buckmann über den bisherigen Projektverlauf, wollten vor die Kamera. In solchen Fällen übernehme ein anderes Kadermitglied der zuständigen Abteilung den Auftritt. Grossmehrheitlich sei das Echo auf das Experiment gut bis sehr gut. Wer sich fürs Mitmachen entscheide, wird auf den Drehtag mit einem externen Filmteam vorbereitet.

Das Videorecruiting ist ein vorläufiger Höhepunkt einer Entwicklung, die vor rund fünfzehn Jahren begann und eine zunehmende Verlagerung von Kommunikationsinhalten in die elektronischen Medien brachte. Jobbörsen auf dem Internet erlebten einen regelrechten Boom. Der Branchenleader jobs.ch eroberte sich innert zehn Jahren einen Marktanteil von 40 Prozent. Für dessen Geschäftsleiter, Mark Sandmeier, gehören Videopräsentationen schon seit einiger Zeit zum festen Publikationsangebot. Seit 2007 werden Filmclips produziert und aufgeschaltet. Es handelt sich schwergewichtig um Firmenvideos, die der Imagepflege dienen und, je nach Wunsch der Kundschaft, auch Einblicke in den Betrieb und die Unternehmenskultur geben.

Rund vierzig solcher Videopräsentationen sind zurzeit bei jobs.ch zu sehen und zu hören. Das Angebot reicht von der Renault Suisse SA über die BKW FMB Energie AG und die ABB Schweiz AG bis zur Kantonspolizei Zürich und zur KPMG AG, die einen besonders aufwendig hergestellten Clip herstellen liess. Die Präsentationen sind mit der herkömmlichen Stellenbeschreibung auf jobs.ch zusammengeschaltet. Für Sandmeier machen vor allem diese Kombinationen Sinn. Videoclips, mit denen lediglich die Besetzung einer einzelnen Stelle anvisiert wird, versieht er dagegen mit einem Fragezeichen. Solche Lösungen kämen teuer zu stehen, weil im Extremfall für jede Vakanz ein neuer Kurzfilm gedreht werden müsse. Nach den Worten des Geschäftsleiters von jobs.ch sind Videopräsentationen ab 3500 Franken zu haben, besonders aufwendige Clips können aber auch das Fünf- oder Zehnfache kosten.

Wenig Chancen für reine Videoportale

Sinnvoll sind gemäss Sandmeier Videopräsentationen, die mehrfach oder über längere Zeit einsetzbar sind. Dazu gehörten die Clips nach VBZ-Machart, wenn mit einer Präsentation Berufsleute zur Bewerbung animiert werden können, die der Betrieb ständig und in grosser Zahl braucht - oder auch dann, wenn ein Abteilungschef für mehrere Stellentypen in seinem Wirkungsbereich wirbt. VBZ-Personalmanagementleiter Buckmann kann sich ebenfalls vorstellen, dass sich diese effiziente Variante in der Zukunft als sehr zweckmässige Lösung erweisen wird. Jedenfalls ist er überzeugt, dass Video das richtige Medium ist, um zusätzlich stellensuchende Ingenieure und Handwerker «abzuholen».

Das Videorecruiting hat nach seinen Worten ein beeindruckendes Echo ausgelöst. Seit die Clips auf der betriebseigenen Website sowie auf Stellenvermittlungsportalen aufgeschaltet sind, kämen zusätzliche und durch die Videos inspirierte Stellenbewerbungen. «Manche Interessierte nehmen Bezug auf die Sequenz, in der sich ihr möglicher Chef bei ihnen bewirbt, und antworten dann sogar multimedial.» Unter anderem würden Dossiers eingereicht mit CD's als Beilage, in denen sich die Stellensuchenden in Wort und Bild recht gekonnt in Szene setzen. Ob schon ein Interessierter auf die Idee gekommen ist, den möglichen Chef zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen, war nicht zu erfahren.

Gehört die Zukunft des Stellenmarkts bald dem Videorecruiting? «Nein», sagt jobs.ch-Leiter Sandmeier dazu. «Die Videopräsentationen werden zahlenmässig gewiss zunehmen, die herkömmlichen Stellenausschreibungen auf den internetbasierten Jobbörsen werden aber ihre Bedeutung behalten.» Nach Sandmeiers Beurteilung haben deshalb reine Videoportale, die schon lanciert worden sind, keine besonders guten Chancen im Markt. Die dort publizierten Angebote blieben zu wenig umfangreich, zu zufällig zusammengesetzt und zu sehr auf Sondererfordernisse beschränkt, um ein grosses Nutzerpublikum anzuziehen.

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 
 
 

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