der arbeitsmarkt | 19.08.2010 | Text: Andreas von Bergen
Peter Nobs, 60, Taxichauffeur, Glattbrugg
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Um 8.30 Uhr fuhr ich gut gelaunt mit meinem Auto von Glattbrugg zum
Taxistandplatz in Zürich-Seebach. Ich freue mich jeweils auf die ersten Taxifahrten
am frühen Morgen. Bereits nach zehn Minuten meldete sich per Telefon ein
Stammgast bei mir. Diese erste Bestellung stellte mich besonders auf. Ich holte den
Gast bei seiner Wohnung in Seebach ab und fuhr ihn zu seinem Zahnarzt. Wir
plauderten zusammen über das Wetter und die Wirtschaftslage und trafen wohl
gelaunt beim Zielort ein.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Seit über 30 Jahren bin ich als Taxichauffeur in der Region Zürich unterwegs. In
den letzten zehn Jahren ist das Taxifahren mühsamer geworden wegen des
Verkehrskonzepts mit den vielen grossen Baustellen. Zudem sind viele Kollegen ins
Taxigeschäft eingestiegen mit wenig Ortskenntnissen in Zürich sowie wenig
Deutschkenntnissen. Einige kümmern sich nicht viel um Kundendienst und verlieren
dadurch Kunden. Neuerdings muss jeder neue fremdsprachige Taxichauffeur zuerst
einen Deutschkurs absolvieren.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Ich habe immer noch den Plausch an meinem Job als Taxichauffeur. Bei einer
grösseren Taxizentrale in Zürich bin ich angeschlossen und erhalte von dort viele
Aufträge. Im Zeitraum von 30 Jahren habe ich einen beachtlichen eigenen
Kundenstamm aufgebaut. Manche ältere Leute telefonieren und verlangen mich
direkt, da sie mit meinem Service zufrieden sind. In den nächsten vier bis fünf
Jahren werde ich meinen Beruf mit gleicher Freude ausüben, wenn es meine
Gesundheit zulässt.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Mit 26 Jahren begann ich meinen Taxi-Job in Zürich. Bis ich 40 Jahre alt wurde,
hätte ich gerne etwas mehr Freizeit gehabt. Seit vielen Jahren arbeite ich
regelmässig von Montag bis Freitag und habe meistens zwischen 18 und 19 Uhr
Feierabend. Am Samstag und Sonntag habe ich oft frei und kann mir genügend
freie Zeit für Hausarbeiten, Einkäufe, Ausflüge oder Wanderungen nehmen.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Im Grossen und Ganzen sparen die Kunden bei Taxifahrten. In schlechteren Zeiten
trennt sich aber die Spreu vom Weizen. Die zuvorkommenden Chauffeure, die den
Kunden auch beim Ein- und Ausladen von Gepäck oder beim Tragen bis zum
Wohnungseingang helfen, erhalten immer noch genügend Aufträge. Mir läuft es
immer noch gut, denn es zeigt sich, dass sich ein guter Service lohnt.