der arbeitsmarkt | 10.03.2011 | Text: Kujtim Sabani

Studienjob hilft beim beruflichen Einstieg

ks. Wer in der Studienzeit einer Erwerbsarbeit nachgeht, profitiert später bei der Stellensuche. Am meisten punkten Absolventen, die Erfahrungen in einem relevanten Arbeitsfeld gesammelt haben, sagt Claudia Bötschi, Leiterin Bereich Studien- und Laufbahnberatung des Kantons Bern.

Studienjob hilft beim beruflichen Einstieg

Studierende bei der Stellensuche.
Foto: Simone Gloor

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Laufbahnberatung Kanton Bern

Frau Bötschi, wie viele Studenten arbeiten neben ihrem Studium?

Claudia Bötschi: Rund drei Viertel der Studierenden sind neben dem Studium erwerbstätig. Achtzig Prozent davon auch während des Semesters.

Welche Tätigkeiten üben sie dabei vor allem aus?

Die Tätigkeiten sind sehr unterschiedlich, von reinen Geldjobs bis hin zu Tätigkeiten, die im anvisierten Berufsfeld angesiedelt sind. Da ist zum Beispiel der Student, der am Wochenende in der Bar arbeitet, um sich den Lebensunterhalt mit zu finanzieren oder sich eine Reise leisten zu können. Oder die Studentin des Fachbereichs Medienwissenschaften, die nebenher eine Anstellung beim Radio hat und praktische Erfahrung in einem Medienbetrieb erwirbt.

Während des Bachelorstudiums werden häufiger Tätigkeiten ausgeübt, die keinen Bezug zum Studienfach haben. Häufig gelingt es im Verlaufe des Studiums auf Jobs zu wechseln, die einen inhaltlichen Bezug zu diesem aufweisen. Etwa die Hälfte der Studierenden arbeitet in Jobs, die keine spezifischen Ausbildungen voraussetzten, etwa als Hilfsarbeiter.

Welche Folgen hat Arbeiten auf das Studium selbst?

Es gibt positive und negative Folgen. Eine praktische Tätigkeit kann befriedigend sein, weil man da ein unmittelbares Resultat der Arbeit sieht. Man erfährt Wertschätzung für Leistungen direkter als im Hochschulbetrieb. Hat die Erwerbstätigkeit einen Bezug zum Studium, wirkt sich dies motivierend auf das Studium aus.

Viele Studierende erleben es aber auch als Belastung, Erwerbstätigkeit und Studium unter einen Hut zu bringen. Der Studienplan lässt sich nicht immer problemlos mit dem Job kombinieren, und jedes Semester muss neu jongliert werden. Ausserdem konkurrenzieren sich die beiden Tätigkeiten, wenn sie nichts miteinander zu tun haben. Häufig stellt sich die Frage, ob noch genügend Zeit und Energie für das Studium bleibt.

Welches sind Ihre Erfahrungen mit Studierenden, deren Abschluss sich durchs Arbeiten verzögert hat?

Eine Verzögerung ist unumgänglich und meist auch nicht weiter tragisch. Wichtig ist gutes Timing. Es gibt Phasen im Studium, da sollte die Erwerbstätigkeit klar an zweiter Stelle kommen. Die Kunst ist dann, immer wieder die richtigen Prioritäten zu setzen.

Verhält es sich bei allen Fachrichtungen gleich?

Die Studienpläne sind je nach Fachrichtung straffer organisiert oder flexibler gestaltbar. In den Studiengängen der Bereiche Medizin oder Pharmazie, technische Wissenschaften, exakte und Naturwissenschaften arbeiten die Studierenden weniger häufig als in den Studienbereichen Geistes- und Sozialwissenschaften oder Recht. Die Erwerbstätigkeit ist in den erstgenannten Bereichen schwieriger mit den Studienplänen zu vereinbaren.

Wie werden Absolventen, die neben dem Studium gearbeitet haben, auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen?

Für die Stellensuche nach Hochschulabschluss ist eine Erwerbstätigkeit während dieser Zeit immer positiv, sofern sie das Studium nicht extrem verzögert. Sie zeigt, dass die Studierenden fähig sind, mit Belastungen umzugehen. Zudem wird dabei der Umgang mit Hierarchien und Vorgaben gelernt. An der Hochschule werden andere Qualifikationen erworben. Je mehr die Erwerbstätigkeit mit dem angestrebten Berufsfeld zu tun hat, desto hilfreicher ist es für die Stellensuche nach dem Hochschulabschluss. Studierende sammeln branchenspezifische Kenntnisse und Kompetenzen, erwerben relevante Arbeitszeugnisse und können das entstandene Kontaktnetz für die Stellensuche verwenden.

Wie verhält es sich mit denjenigen, die einer anderen Erwerbesarbeit nachgegangen sind, als sie studiert haben oder wofür sie sich bewerben?

Wenn Studierende bis zum Ausbildungsabschluss in Hilfsarbeitsfunktionen tätig waren, zum Beispiel im Verkauf, der Gastronomie und Ähnlichem, können sie nicht so viel für ihre Bewerbungen profitieren. Ausser in einem allgemeinen Sinn: Erfahrung in der Arbeitswelt, Stressresistenz, Teamfähigkeit und so weiter.

Und wer schon als Student auf dem Feld der späteren beruflichen Tätigkeit gearbeitet hat?

Aus unserer Beratungserfahrung können wir klar sagen: Wer schon während des Studiums Erfahrungen in relevanten Arbeitsfeldern gesammelt hat, punktet bei Bewerbungsverfahren mehr.

 

Zur Person

Claudia Bötschi, 48, hat in Basel und Bern Psychologie studiert. 1994 schloss sie ihre Nachdiplomausbildung zur Studien- und Berufsberaterin AGAB/BBT ab. Seit 2006 ist Bötschi Leiterin des Fachbereichs Studien- und Laufbahnberatung BIZ Bern-Mittelland. Davor arbeitete sie bei der Akademischen Berufsberatung Bern, der Beratungsstelle Berner Hochschulen und in der Kantonalen Studienberatung Aargau. Claudia Bötschi hat zwei Töchter und lebt in Bern. 

 

 
 
 

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