der arbeitsmarkt | 07.07.2011 | Text: Peter Jeck

Grosses Lob für duales Ausbildungssystem

pj. Die «einfache» Berufsbildung ist und bleibt wertvoll, finden drei Verantwortliche von mittelgrossen Betrieben des Jurabogens. Sie diskutierten im Rahmen der Maitagung Berufsbildung.

Grosses Lob für duales Ausbildungssystem
In der Lehrlingsausbildung sind Theorie wie Praxis wichtig. Foto: Simone Gloor
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Bundesamt für Berufsbildung und Technologie

«Es ist für unseren Betrieb schwierig, Polymechaniker zu finden», sagte Thierry Bergère, Personalverantwortlicher des Drehmaschinenherstellers Tornos. Das Schweizer Berufsbildungssystem geht seiner Meinung nach in die falsche Richtung. Es könne nicht das Ziel sein, dass 60, 70 Prozent der Jugendlichen die Matura erwerben, meinte er in einer Diskussionsrunde über das Aus- und Weiterbildungssystem in der Schweiz.

Zusammen mit Peter Hug, CEO der Firma Wenger AG, und der Personalverantwortlichen von Chocolats Camille Bloch, Sandra Biedermann, äusserte er sich im Rahmen der diesjährigen Maitagung Berufsbildung zum praktischen Stellenwert der Berufslehre für KMU. Gemeinsamer Tenor: Die «einfache» Berufsbildung ist und bleibt sehr sinnvoll. Alle drei Gesprächspartner betonten den hohen Wert der praxisbezogenen Ausbildung — auch im Gegensatz zu den höheren Bildungsformen.

Schulisch-theoretisches Wissen wichtig, aber ...

Im System der dualen Ausbildung, dem Zusammenspiel von schulisch-theoretischem und praktischem Schulungsprogramm, zeige sich im Alltag, ob das richtige Verhältnis gefunden wird, betonte Peter Hug, CEO der als Messerhersteller bekannten Wenger AG. Die Firma bildet bei einem Gesamtbestand von 180 Angestellten neun Lernende aus. Daneben stellt Wenger aber auch immer wieder Hochschulabsolventen ein.

Im Verhältnis von Theorie und Praxis gebe es kein Wundermittel, meinte auch Sandra Biedermann von Chocolats Camille Bloch. Die Firma bildet momentan 40 Lernende aus. Beide Aspekte müssten pragmatisch vereint werden. Da die Berufe sich stetig verändern, sei eine ständige Anpassung erforderlich. Im dualen System sei der praktische Aspekt sehr wichtig. Sandra Biedermann wünscht sich, dass die Firma dank einem guten staatlichen Ausbildungssystem wettbewerbsfähig bleibt.

Gehst du oder bleibst du?

Alle drei Firmen legen grossen Wert darauf, dass ihnen die erworbenen Fähigkeiten der Lehrabgänger erhalten bleiben. So bleibt mehr als die Hälfte der bei Tornos Ausgebildeten nach der Lehre im Betrieb. Peter Hug hob die Einzigartigkeit der Wenger AG hervor: «Nur wir können das notwendige Wissen für die Herstellung unserer speziellen Messer vermitteln.» Man sei natürlich sehr daran interessiert, dass der Betrieb dieses Know-how möglichst lange nutzen kann. Auch in der Zeit der relativen Krise 2004/2005 habe man die Zahl der Lehrlinge nicht reduziert, und dies zahle sich heute aus: Die heute Ausgelernten seien wertvolle Träger der Produktion.

Die Firma Bloch lege als altes, aber innovatives Familienunternehmen grossen Wert auf Nachhaltigkeit, betonte Sandra Biedermann. Mit den Lehrabgängern treffe man gerne Vereinbarungen zur längeren Anstellung im Betrieb — «aber wir ‹fesseln› sie nicht».

Nach der Lehre ist vor dem Weiterlernen

Geht es um höhere Berufsausbildung und um Weiterbildung, so ergreifen bei der Firma Wenger die Beschäftigten oft selber die Initiative. Da die Maschinen immer komplexer werden, sei der Nutzen gross, und natürlich sei Weiterbildung auch für die Angestellten attraktiv — allein schon wegen der Aussicht auf ein höheres Salär. Der Wille, sich weiterzubilden, sei in den KMU allgemein gross, sagte Peter Hug. Ein guter Return on Invest sei jedenfalls gegeben. Natürlich müsse auch das Unternehmen Nutzen ziehen können, sagte Sandra Biedermann von Chocolats Bloch. Einige Beschäftigte müsse man dabei «etwas zum Glück zwingen».

Die Sprachkenntnisse der Angestellten erachtet man in allen drei KMU als wichtig. Peter Hug wies darauf hin, dass bei Wenger viele Beschäftigte auch ausserhalb der Arbeitszeit Sprachkurse belegen. Zudem arbeiten Betriebsangehörige zwecks Spracherwerb für eine gewisse Zeit in einem Tochterbetrieb in den USA. Bei Bloch schickt man häufig Leute mit KV-Abschluss für ein Jahr ins Ausland. Tornos schickt regelmässig Mechaniker zur Ausbildung in die USA, wo sie die Sprache lernen und sich mit der dortigen Kundschaft vertraut machen.

Mit klassischer Berufsbildung durch Krisen

Peter Hug wünscht, dass Berufe und Berufsbilder vermehrt in den Schulen vorgestellt werden. Vermehrte Information über Berufe könne dazu führen, dass man in Zukunft leichter Lehrlinge für die technischen Berufen finde.

Da die Kosten der Rohstoffe in der Schokoladebranche sehr hoch sind, sei bei Camille Bloch grösste Sorgfalt in der Produktion nötig. Bei der Ausbildung dürfe deshalb nicht gespart werden, betonte Biedermann. Unter anderem dank dieses Kapitals habe man die letzte Krise gut überstanden und sei sogar noch gewachsen. Camille Bloch will deshalb an der heutigen Form der Ausbildung festhalten.

Die Firma Tornos hat die Krise in den Jahren 2009 und 2010 gezielt dazu genutzt, die Fortbildung weiterzuentwickeln. Arbeitslose ehemalige Angestellte bildeten sich im Betrieb weiter, anstatt zu Hause zu bleiben. 10 000 Ausbildungsstunden wurden vom Kanton Bern finanziert. Es handelt sich um ein Pilotprojekt des Kantons: Dieser bezahlte 20 Prozent der Kosten der internen Fortbildung. Für die Zukunft wünscht sich Thierry Bergère, dass jede zweite Lehrstelle in der Industrie angesiedelt werden kann. Eine Kampagne für die Berufsbildung im dualen System könnte hier nützlich sein.

Camille Bloch
1929 gründete Camille Bloch in Bern die Schokoladefabrik Chocolats Camille Bloch. Sechs Jahre später zog die Firma nach Courtelary in den Berner Jura um. Bekannt ist sie seit 1942 mit dem Schokoriegel Ragusa. Jährlich stellt Bloch rund 3300 Tonnen Schokolade her und erzielt damit einen Umsatz von ungefähr 60 Millionen Franken.
www.camillebloch.ch

Wenger AG
Wenger ist ein 1893 gegründeter Schweizer Hersteller von Messern und Armbanduhren und als einer von zwei Originalherstellern des Schweizer Taschenmessers bekannt. Das Unternehmen wurde 2005 vom Konkurrenten Victorinox aufgekauft. Der Markenname Wenger blieb erhalten. Die Firma beschäftigt aktuell etwa 180 Mitarbeiter.
www.wenger.ch

Tornos AG
Die Tornos SA mit Sitz in Moutier ist ein bekannter Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller. Tornos ist Spezialist für die Herstellung von Maschinen für die automatische Teilefertigung ab Stange. Die Tornos-Gruppe erzielte 2010 einen Bruttoumsatz von rund 215 Millionen Franken.
www.tornos.ch

 

 
 
 

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