HR Today | 02/2011 Special Talent Management 2011 | Text: Franziska Meier
Robindro Ullahs Gesicht ist in Deutschland vielen bekannt. Im Personalmarketing der Deutschen Bahn tätig, wurde er zum Markenbotschafter des Konzerns, auf Plakaten und im Social Web. Im Interview spricht er über den Stellenwert der DB in seinem Leben und darüber, ob sein Engagement seine Karrieremöglichkeiten erweitert oder schmälert.
Robindro Ullah: Es macht einerseits grossen Spass, bedeutet aber andererseits auch, dass mein Name für «immer» mit der Deutschen Bahn verheiratet sein wird. Wer mich googelt, findet kaum einen Hit ohne «DB», diese zwei Buchstaben werde ich wohl nie mehr los. Markenbotschafter der Deutschen Bahn zu sein – und das ist letztlich jeder, der hier arbeitet –, bedeutet zudem, auf gesellschaftlichen Anlässen mit den immergleichen Reaktionen konfrontiert zu werden. Kaum fällt der Name DB, erzählen einem die Leute zuerst ihre eigenen Bahngeschichten, und dann kommt die Frage, ob man nicht am Fahrplan drehen oder Preise verbilligen kann.
Man gewöhnt sich daran, geht lockerer damit um und die Leute lernen allmählich, dass ich nicht einfach ihre Wünsche erfüllen kann.
Nein. Ich bin da durch Zufall hineingeschlittert. Als Referent Hochschulmarketing habe ich mich mit der Rekrutierung der Zielgruppe Studenten und entsprechender Messeplanung beschäftigt, habe Konzepte und Formate entwickelt, um mit Studenten in Kontakt zu treten. 2007 wollten wir eine neue Kampagne lancieren, mit Mitarbeitern statt mit Models, bei den Vorbereitungen hiess es dann irgendwann: Mensch, es wäre gut, wenn der Hochschulverantwortliche auch fotografiert wird und Werbung macht. Durch die Brille eines Unerfahrenen sah das sehr unkritisch aus. Zudem wurden über 50 Mitarbeiter abgelichtet, um Gesichter für die verschiedenen Berufsgruppen zu haben.
Ja. Als Vorreiter in Deutschland im Bereich Social Media Recruiting und Personalmarketing eröffnete ich Ende 2008 den ersten HR Twitter Account und brandete diesen mit meinem eigenen Fürsprecherfoto. Damit entschied ich mich automatisch für eine sehr hohe Sichtbarkeit. Mir war bewusst, dass dadurch mein Job und ich transparent würden. Nicht bewusst war mir aber, dass dies so extreme Ausmasse annimmt, dass, wie erwähnt, mein digitaler Footprint nachhaltig mit der DB verknüpft wurde.
Nein, in der Regel nicht. Ich bin nicht prominent. Aber von Studenten, also der Zielgruppe, werde ich hin und wieder wegen der Plakate erkannt.
Ja, aber selten. Für Berater ist mein Profil interessant, weil ich viel Know-how bezüglich Social Media und Personalmarketing habe und weil manche Firmen denken, mit meinem bekannten Gesicht im Boot sei es leichter, Kunden zu akquirieren. Für tatsächliche Personalmarketingstellen erhalte ich jedoch keine Jobangebote, was aus meiner Sicht an der starken Verlinkung meines Namens mit der DB liegen könnte.
Nein, nie. Mein Arbeitgeber gefällt mir sehr gut. Es ist wie mit einem Tatoo: Es ist schwer, dieses wieder wegzubekommen, und manche bereuen nach einer gewissen Zeit, es gemacht zu haben – und andere eben nicht. Dass ich es nicht bereue, heisst aber nicht im Umkehrschluss, dass ich mir ein DB-Logo tätowieren lassen würde (lacht).
Man wird nicht nur extern, bei der gesamten deutschen Personalerwelt, bekannt, sondern auch intern. Denn viele Mitarbeiter benutzen die Flyer mit meinem Gesicht. Das hat mir bei der Erweiterung meines internen Netzwerks geholfen und wirkte sich auch positiv auf meine Karriere aus.
Der Markenbotschafterjob hat auch Auswirkungen auf andere. Meine Freundin arbeitet in derselben Branche und wird somit automatisch mit dieser F-Prominenz konfrontiert. Das muss nicht immer positiv sein.
Es gab eine Stichprobenauswertung: Zweimal wurden Studenten befragt. Dabei kam heraus, dass die Kampagne nicht durchgehend authentisch wirkt. Sie kam zwar gut an, aber die Fotos, die im Studio entstanden, wurden als zu professionell wahrgenommen. Da waren natürlich alle geschminkt und top gekleidet, und so glaubten manche nicht, dass die Menschen auf den Bildern wirklich Mitarbeiter waren, sondern hielten sie für Models. Ein «Making of Fuersprecher der Deutschen Bahn», das Making of des Shootings, wirkte dieser Entwicklung auf Youtube entgegen. Gefühlt trat dieser Effekt bei mir allerdings nicht ein.
Weil ich oft mit Studenten zu tun hatte, an die Unis und Messen ging. Da sahen dann die Studenten: Ah, der da, der gerade mit mir redet, ist ja der Gleiche wie der da hinten auf dem Plakat, diesen Robindro Ullah gibt es also wirklich. Ich bin eines der wenigen Gesichter der Kampagne, die auch live zu sehen sind. Natürlich bemüht man sich, die «DB Faces» auf die Messen mitzunehmen.
Die meisten Reaktionen kamen von Studenten auf Messen. Aber natürlich auch via Social Media. Die Botschaft, die ich senden will und die von einigen auch gehört wird, ist: «Hör zu, hier siehst du einen Mitarbeiter der DB, der gerne hier arbeitet. Und wenn du das nicht glaubst, dann schreib mich direkt via Social Media an.» Im Stil von: «Sag mal, wie ist es denn so bei der DB?» Das ist wichtig, denn die Leute wollen nicht die Katze im Sack kaufen. Sie wollen wissen, wer hier arbeitet und wie die Unternehmenskultur ist.
Zunächst würde ich diese Aufgabe nicht jedem empfehlen. Mit der Transparenz und Verlinkung muss man umgehen wollen und können. Zum Markenbotschafterdasein eignen sich aus meiner Sicht insbesondere kommunikative Leute, die ein gutes Netzwerk haben und die Arbeitgebermarke wirklich in die Welt tragen, die Social-Media-affin sind und wissen, worauf sie sich einlassen.
Das Thema Markenbotschafter beziehungsweise Fürsprecher ist uralt, selbst Julius Caesar hat für die Rekrutierung seiner Soldaten das Prinzip «Mitarbeiter werben Mitarbeiter» angewandt. Der Unterschied zu damals ist, dass diesen Botschaftern heute sehr mächtige (Kommunikations-)Instrumente zur Verfügung stehen. So können durch einen Blog oder auch einen Microblog unglaublich viele Menschen erreicht werden. Dieses Potenzial können Mitarbeiter sowohl für als auch gegen ein Unternehmen verwenden und auf diese Weise im schlechtesten Fall grossen Schaden anrichten. Wenn man sich nun als Personaler nochmals vor Augen führt, dass man mit Unterzeichnung des Arbeitsvertrags zum Markenbotschafter wird und jedem die Social-Media-Welt offensteht, wird schnell klar: Damit muss sich das HR beschäftigen.