der arbeitsmarkt | 13.12.2011 | Text: Corinne Invernizzi

Was braucht es, damit der Start
ins Berufsleben glückt?

ci. Wie gelingt es, Jugendliche, mitunter leistungsschwache, auf dem Weg ins Berufsleben ihren Begabungen und Interessen entsprechend optimal zu integrieren? Diese Frage versuchte die Stiftung Impulsis mit der Veranstaltung «Berufsbildung um jeden Preis» zu klären.

Was braucht es, damit der Start<br />ins Berufsleben glückt?
Attestlehren wären für leistungsschwache Jugendliche ein optimaler Berufseinstieg – doch es gibt zu wenig davon. Foto: Marga Schuttenhelm
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Stiftung Impulsis

«Mein Wunsch war es, Tierpfleger zu werden. Da ich keine Lehrstelle fand, sagte mein Vater zu mir: Dann wirst du halt Metzger, das hat auch mit Tieren zu tun.» Mit diesem drastischen Beispiel führte der Buchautor Jürg Jegge dem Publikum am diesjährigen Impulsis-Forum in Zürich vor Augen, wie eine Karriere beginnen könnte, die zum Vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Jegge weiss, wovon er spricht. Er hat im zürcherischen Freienstein die Stiftung «Märtplatz» gegründet, eine Ausbildungsstätte für Jugendliche mit Startschwierigkeiten. Jegge weiss, dass ein Berufsleben nur gelingen kann, wenn in der Laufbahnplanung auf die Fähigkeiten und Interessen der Betroffenen Rücksicht genommen wird. Vielen Menschen gelinge es nicht, in ihrem Berufsleben ihr eigentliches Potenzial auszuschöpfen. «Wäre es nicht angebracht, Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben so zu unterstützen, dass sie einen Beruf ergreifen können, der ihren Interessen und Begabungen entspricht und an dem sie Freude haben?», fragte Jegge.

Berufsattest bietet Chancen für Leistungsschwache

Die Voraussetzungen für eine gelingende berufliche Integration wären dank dem fortschrittlichen Schweizer Berufsbildungsgesetz im Grunde genommen gegeben. Doch vor allem im Bereich der Attestlehren liegt ein grosses Potenzial brach. Von den 250 Berufen, die in der schweizerischen Berufsliste aufgeführt sind, können nur gerade 40 mit einem Attest abgeschlossen werden. Das ist nur jeder sechste. «Um das Potenzial leistungsschwacher Jugendlicher optimal zu nutzen, braucht es ein flächendeckendes Angebot von Attestlehren in allen Berufen – auch in den seltenen», sagte Jegge.

Damit der Zugang zur beruflichen Grundausbildung für alle sichergestellt ist, müsse das Berufsbildungsgesetz von allen Berufsverbänden angewendet und so angepasst werden, dass auch Leistungsschwache in den Genuss eines Kompetenznachweises kommen, ist Jegge überzeugt. So könnten zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen und der Wirtschaft wertvolle Mitarbeiter zugeführt werden. Auch würde endlich auf die Tatsache Rücksicht genommen, dass sich junge Menschen verschieden schnell und auf verschiedene Art und Weise entwickeln.

Der Brückenschlag gelingt über den Sport

Eine andere Perspektive, um Jugendliche im Beruf besser zu integrieren, entwarf Mario Fehr, Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich. «Sport ist ein wichtiges Fundament des Zusammenlebens und ermöglicht Jugendlichen einen besseren Start in die Arbeitswelt», sagte Fehr. «Im Sport lernen Jugendliche, Regeln zu akzeptieren und mit Erfolg und Misserfolg spielerisch umzugehen. Sie erfahren ihre Grenzen und lernen, sich selbst und ihre Leistungen realistisch einzuschätzen», so Fehr weiter. Weil Sportvereine das Verständnis für ein soziales Miteinander fördern und Jugendlichen ein wertvolles Beziehungsnetz bieten, besitzen sie ein enormes Integrationspotenzial.

Wie aber steht es mit den «Sportmuffeln»? Der Kanton Zürich hat die Frage mit einer Studie über das Sportverhalten der Zürcher Bevölkerung abgeklärt. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit tieferem Bildungsniveau, geringerem Einkommen oder Migrationshintergrund deutlich weniger Sport treiben als solche mit einem tertiären Bildungsabschluss. Weil diese Menschen ein erhöhtes Risiko haben, Sozialhilfeempfänger zu werden, wolle der Kanton Zürich mit der Kampagne «Sportkanton Zürich» den Sport in der breiten Bevölkerung fördern, sagte Fehr.

Durchschnitt genügt nicht

«Die Schweiz darf sich nicht mit dem Durchschnitt begnügen, sondern muss sich mit der Weltspitze messen», sagte Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, und wies auf die Defizite in der Schulbildung Jugendlicher hin. Im Jahr 2009 hatte eine Umfrage von Economiesuisse unter CEOs und Lehrmeistern von Schweizer Firmen ergeben, dass die Schulabgänger in den für die Betriebe wichtigen Kernkompetenzen, Erstsprache und Mathematik, häufig ungenügend sind. Dabei erstaunt, dass die Beurteilung auch auf der Sekundarstufe und dem Untergymnasium ungenügend ausfiel.

Weil die schulische Qualität das volkswirtschaftliche Wachstum beeinflusse und den Wohlstand von erfolgreichen Nationen begründe, dürften Schulen keine Kompromisse auf Kosten der beiden Fächer Erstsprache und Mathematik machen, forderte Minsch. Auch bei der Selbstdisziplin habe die Umfrage Kompetenzlücken der Jugendlichen gezeigt. Weiter gab Minsch zu bedenken, dass auf der Stufe der Primarschule zwei Fremdsprachen für schwache Schüler eine riesige Herausforderung seien und für diese zum Stolperstein würden.

Arbeitsintegration über die Bildung

Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, genüge es nicht, die Jugendlichen besser im Beruf zu integrieren, sagte Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). «Die Schweizer Wirtschaft braucht alle, damit sie leistungsfähig bleiben kann!» Das Bevölkerungswachstum der Schweiz habe sich in den letzten Jahren verlangsamt. Alarmierend sei, dass das Total der erwerbstätigen Bevölkerung, das heisst der Pool der Personen, die dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen, ebenfalls abnehme, sagte Reynold und verwies auf eine Studie der Fachkräfteinitiative des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EDV).

Die Folgen des zunehmenden Fachkräftemangels in der Schweiz machen sich bereits heute bemerkbar. Die Bereiche Informatik und Gesundheit, aber auch die Schulen haben Schwierigkeiten, Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Es sei deshalb wichtig, das verfügbare Potential in der Bevölkerung zu nutzen. Die Lösung liege in der forcierten Integration der arbeitsfähigen Bevölkerung über den Weg der Bildung, denn Bildung schütze vor Arbeitslosigkeit, so Renold. Bezüglich einer besseren Integration Jugendlicher hat sich das BBT zum Ziel gesetzt, bis im Jahr 2015 95 Prozent aller 25-jährigen Erwachsenen zu einem Sekundar-II-Abschluss zu führen und die Berufsbildung weiter zu stärken, um die Zahl der Jugendarbeitslosen und die der jugendlichen Sozialhilfeempfänger zu senken.

Impulsis ist eine vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich anerkannte Stiftung, die in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Berufsberatung und der Stadt Zürich Jugendliche auf dem Weg in die Arbeitswelt begleitet. Zielgruppe sind junge Erwachsene, die keine Lehrstelle finden oder ihre Lehre abgebrochen haben und nicht aus eigener Kraft den Weg ins Berufsleben finden. Die Institution gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sich auf ihre spätere Berufslaufbahn spezifisch vorzubereiten. Das umfassende Angebot zur Berufsintegration bietet Unterstützung bei der späteren Praktikums- und Lehrstellensuche und begleitet die angehenden Auszubildenden in Form von Schulungen und individuellen Berufseinstiegscoachings.

 
 
 

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