der arbeitsmarkt | 01/2012 | Text: Daniela Palumbo

Die Schweizer-AG-Macher

Stella Baumann ist Schweizerin. Ihr Vater kam in Singapur zur Welt und mit sechs Jahren als Adoptivkind in die Schweiz. Ihre Mutter ist eine in der Schweiz geborene Seconda, die Tochter von italienischen «Gastarbeitern». Stella Baumann ist eine typische Schweizerin mit Migrationshintergrund. Ein Beispiel einer multikulturellen Schweizer Familie.

Der Begriff Migrationshintergrund umschreibt nicht nur Ausländer, sondern auch schon längst eingebürgerte oder gebürtige Schweizer, deren Eltern oder Vater oder Mutter im Ausland geboren sind. Fast jeder dritte Bewohner hatte im Jahr 2008 hierzulande einen Migrationshintergrund.

Erst diese Zahlen machen die zunehmende Multikulturalität der Bevölkerung fassbar. Der Trend liesse sich selbst mit dem Aufkündigen der Personenfreizügigkeit, was die SVP mit einer Volksinitiative anstrebt, nicht aufhalten. Schweizer und Schweizerinnen heiraten vermehrt ausländische Partner – im Jahr 2009 tat dies jeder beziehungsweise jede Dritte –, und fast die Hälfte der Kinder, die damals auf die Welt kamen, haben mindestens einen ausländischen Elternteil.

Lange konzentrierten sich Medien, Politik und Forschung auf die Defizite von Migranten und ihren Nachkommen. Seit der Jahrtausendwende findet ein Paradigmenwechsel statt. In den Fokus rücken vermehrt die Erfolgsgeschichten und die Qualitäten von Personen mit einem Migrationshintergrund: Sie wachsen in zwei Welten hinein, beschreiten andere Wege, erschliessen neue Märkte.

Jeder Zehnte von ihnen gründet heute ein eigenes Unternehmen, schafft damit Arbeitsplätze und trägt zum Wirtschaftswachstum der Schweiz bei. Schon Jahrhunderte zuvor hinterliessen ausländische Unternehmer hier gewichtige Spuren. Die im 16. Jahrhundert eingewanderten Hugenotten aus Frankreich prägten die schweizerische Textilindustrie und das Bankenwesen. Visionäre Unternehmer aus Deutschland, Italien und England schufen im 19. Jahrhundert die schweizerische Industriegesellschaft. Selbst im 20. Jahrhundert, als die Schweiz vor allem Arbeitskräfte rief, kamen Unternehmer ins Land, wie der deutsche Babynahrungshersteller Hipp, der dem Schweizer Birchermüesli zu Weltruhm verhalf (siehe Seite 27).

Im 21. Jahrhundert angekommen hat der Bund das Integrationspotenzial von Unternehmern mit Migrationshintergrund erkannt und will ihre Selbständigkeit mit Kursen gezielt fördern. Denn die meisten Migranten, die sich in der Schweiz niedergelassen haben, gestalten die Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Schweiz erfolgreich mit. Ihre Nachkommen haben zwar einen Migrationshintergrund, irgendwann aber ist der typisch für Schweizer.

 
 
 

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