der arbeitsmarkt | 06.02.2012 | Text: Benjamin Hämmerle

Blitzlicht

Tom Huber, 35, Fotograf und Musiker, Zürich

Blitzlicht
Foto: Benjamin Hämmerle

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

An Tagen wie heute würde ich gerne etwas länger schlafen. Ich bin gestern (oder war es schon heute?) spät nach Hause gekommen, weil sich unsere Bandprobe in die Länge gezogen hat. Wenn ich nicht meine beiden Söhne Igor (4) und Hektor (2) zur Krippe bringen müsste, wäre ich also sicher noch liegen geblieben. Ich bin generell eher ein Nachtmensch und ein Morgenmuffel. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt, früh aufzustehen. Wenn ich keinen Fotoauftrag zu erledigen habe, bin ich oft schon um neun Uhr in meinem Proberaum und feile an einem neuen Hit.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Die Abwechslung und das Unberechenbare. Bei mir sieht wirklich jeder Tag anders aus. An der Arbeit als Fotograf gefallen mir besonders die Begegnungen mit ungewöhnlichen oder schrägen Personen. Manchmal trifft man auf Leute, mit denen man keine Minute zusammen in einer Bar verbringen würde – und trotzdem gelingt es, sich eine Stunde lang gut zu verstehen und etwas zusammen zu erarbeiten. Eine gute zwischenmenschliche Atmosphäre ist Voraussetzung für gute Fotos. Ich finde es immer wieder amüsant, wie sehr die Leute darauf bedacht sind, auf den Fotos gut rüberzukommen. An der Musik und Kunstfotografie gefällt mir, dass ich meine eigenen Ideen verwirklichen kann.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?

Das ständige auf sich aufmerksam machen müssen. Eigenwerbung liegt mir nicht so, aber die Aufträge kommen nicht von alleine. Ignorante Konzertbesucher, die erst Bierflaschen auf die Bühne werfen und dann rauslaufen, gehen mir auch auf den Sack.

Welchen Stellenwert hat Arbeit in Ihrem Leben?

Ich suche ein Gleichgewicht zwischen Selbstverwirklichung und Anschluss an die konventionelle Arbeitswelt. Ich finde es nicht befriedigend, nur Kunst zu machen, die ganze Zeit für mich selber herumzubasteln. Ich will mich aus der eigenen Realität, die ich mir so aufbaue, auch lösen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Arbeit und Freizeit sind in meinem Leben nicht so klar getrennt wie bei anderen Leuten. Ich arbeite eigentlich immer in irgendeiner Form, auch in den Ferien – indem ich zum Beispiel interessante Sujets zum Fotografieren suche oder an einer Songidee herumtüftle. Aber es fühlt sich nicht wie Arbeit an.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?

Nein, lieber mehr Arbeit.

 

 
 
 

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